Ein Kunde zahlt seit Jahren zuverlässig einen Kredit ab. Nur eben bei einem Wettbewerber. Für seine Hausbank bleibt dieses Kreditgeschäft bislang weitgehend unsichtbar. Sie sieht die monatliche Rate, kennt aber weder die genauen Konditionen noch weiß sie, ob sich für den Kunden eine Umschuldung lohnt.
Mit FiDA kann sich dieser Ausgangspunkt verändern.
Gibt der Kunde den Zugriff auf relevante Finanzdaten frei, kann aus einem Fremdkredit ein konkreter Vertriebsanlass entstehen.
Serie: Financial Data Access (FiDA) für Banken
Wie Banken den EU-Rahmen für Financial Data Access operationalisieren, Consent-to-Service-Journeys aufbauen und aus Open-Finance-Daten skalierbare Erträge entwickeln:
- Teil 1/5 – Der operative Leitfaden zur FiDA-Umsetzung für Banken: Consent & Premium-Services skalieren
- Teil 2/5 – Use Case 1 | FiDA wird die KMU-Finanzierung beschleunigen: Vom Cashflow zum Kreditabschluss
- Teil 3/5 – Use Case 2 | FiDA in der Baufinanzierung: Schnellere Entscheidungen beim Modernisierungskredit
- Teil 4/5 – Use Case 3 | FiDA bei Kreditumschuldung & Product-Switching: Wechselhürden im Banking abbauen
- Teil 5/5 – FiDA-Potenzialrechner für Banken: ROI und Einsparpotenzial im Kreditprozess berechnen
Das erwartet Sie in diesem Artikel:
Heute beginnt die Umschuldung noch beim Kunden
Eine Umschuldung kann sich lohnen, wenn der neue Kredit günstigere Konditionen bietet. Ob das der Fall ist, muss der Kunde heute aber zunächst selbst herausfinden.
In der Praxis bedeutet das:
- bestehenden Kredit und aktuelle Restschuld prüfen
- Angebote und Konditionen vergleichen
- neuen Umschuldungskredit beantragen
- Angaben zum Fremdkredit übermitteln
- Kreditprüfung durchlaufen
- alten Kredit anschließend ablösen lassen
FiDA macht aus dem Fremdkredit einen Vertriebsanlass
FiDA soll den Finanzdatenzugang über den bisherigen Open-Banking-Rahmen hinaus erweitern. Der Kunde behält dabei die Kontrolle. Daten werden nur für einen von ihm freigegebenen Zweck an einen „Daten-Nutzer“ übermittelt.
Vom Data Holder zum Data User
Banken stehen nicht nur auf der Seite der Datenbereitstellung. Sie können im FiDA-Ökosystem sowohl Data Holder als auch Data User sein:
Kreditinstitute gehören im FiDA-Entwurf grundsätzlich zu den Akteuren, die diese Rollen einnehmen sollen. Statt regulatorischer Aufgabe ist der Datenaustausch dann Ausgangspunkt neuer Produkte und Vertriebsprozesse.
Warum Product Switching hier relevant wird
Die Euro Banking Association zählt den Wechsel bestehender Finanzprodukte zu den wiederholt genannten FiDA Use Cases. Als konkretes Beispiel nennt sie die Möglichkeit, bestehende Kredite zu besseren Konditionen umzuschulden.
Ein erkannter Fremdkredit verkauft noch keinen neuen Kredit
Zu wissen, dass ein Fremdkredit existiert, bringt der Bank noch keinen Abschluss. Damit daraus tatsächlich ein neuer Kredit wird, muss die Bank weiterhin einen vollständigen Kreditprozess durchlaufen.
Dazu gehören je nach Fall unter anderem:
- zusätzliche Kunden- und Einkommensdaten
- Informationen zur aktuellen Restschuld
- Kredit- und Risikoprüfung
- Kreditvertrag und unterschriebene Ablösevollmacht
- elektronische Signatur
- Auszahlung und Ablösung des bestehenden Kredits
Auch der neue Kredit selbst muss vollständig geprüft und abgeschlossen werden. Zwischen Datenzugang und Kreditabschluss liegt also weiterhin ein vollständiger Bankprozess. Auf dieser Strecke geht es darum, alle Hürden für den Kunden abzubauen und manuelle Arbeit auf Bankseite spürbar zu reduzieren.
So wird aus dem Fremdkredit ein neuer Kreditabschluss
Aus dem Fremdkredit muss also ein vollständiger Kreditvorgang werden:
- Potenzial erkennen
- Daten ergänzen
- Dokumente qualifizieren
- Kreditentscheidung
- Vertrag & Signatur
- Ablösung
Am Anfang steht die über FiDA freigegebene Datenbasis. Mit Zustimmung des Kunden können Informationen zu bestehenden Kreditverhältnissen für neue Services nutzbar werden. So wird der Fremdkredit erkannt und zum Ausgangspunkt für ein Umschuldungsangebot.
Nimmt der Kunde das Angebot an, beginnt die eigentliche automatisierte Abschlussstrecke. Bereits bekannte Kunden- und Finanzdaten können übernommen werden. Abgefragt wird nur noch, was für den konkreten Fall fehlt.
Paperfly Quick Forms unterstützen hier. Formulare werden pro Kunde dynamisch aufgebaut, Daten vorbefüllt und weitere Felder oder Folgeschritte nur dann angezeigt, wenn sie tatsächlich benötigt werden.
3. Dokumente qualifizieren und gezielt nachfordernNicht jeder Kreditfall benötigt dieselben Nachweise. Bei Angestellten können beispielsweise Gehaltsnachweise erforderlich sein, bei Selbstständigen andere Unterlagen.
Paperfly Document Collection erkennt eingehende Dokumenttypen, prüft Lesbarkeit und Vollständigkeit, extrahiert relevante Daten und kann fehlende oder fehlerhafte Unterlagen gezielt nachfordern. IDP (Intelligent Document Processing) und künstliche Intelligenz (KI) übernehmen auf Wunsch die Dokumentenqualifizierung.
4. Standardfälle automatisieren, Grenzfälle gezielt übergebenSind Angaben und Dokumente vollständig, kann der Vorgang anhand definierter Regeln weiterlaufen. Standardfälle werden ohne manuelle Zwischenschritte verarbeitet und nur noch zur finalen Entscheidung vorgelegt. Abweichungen oder definierte Grenzfälle gehen gezielt in eine Prüfung.
5. Identifikation, Vertrag und Ablösevollmacht abschließenIst der Kredit freigegeben, folgen Identifikation, Vertragsunterlagen und gegebenenfalls die Ablösevollmacht. Paperfly bindet elektronische Signaturen direkt in digitale End-to-End-Workflows ein und unterstützt EES, FES und QES.
6. Ergebnis an die Banksysteme übergebenAm Ende steht ein vollständiger, unterschriebener Kreditvorgang. Daten und Dokumente können strukturiert an bestehende Kredit-, Kernbanken- oder Abwicklungssysteme übergeben werden. Von dort aus erfolgen Auszahlung und Ablösung des bestehenden Fremdkredits.
Wo verdient die Bank mit diesem FiDA Use Case Geld?
Die Bank kann Kreditgeschäft adressieren, das bislang bei einem Wettbewerber liegt.
Kreditvolumen zurückholenWird aus einem bestehenden Fremdkredit eine erfolgreiche Umschuldung, wandert Kreditvolumen auf das eigene Buch. Aus einem bislang externen Produkt wird eigenes Kreditgeschäft.
Share of Wallet erhöhenDer Kunde ist längst da. Nur sein Kredit liegt bisher woanders. Statt nur die Produkte zu betrachten, die der Kunde bereits beim eigenen Institut hält, können freigegebene Finanzdaten zusätzliche Bedarfe sichtbar machen.
Aus einem Bedarf einen konkreten Service machenDer Kunde muss nicht erst selbst nach einem günstigeren Kredit suchen und anschließend einen neuen Prozess starten. Erkennt die Bank ein mögliches Ablösepotenzial, kann sie daraus direkt einen passenden Service entwickeln. Dass diese Logik funktioniert, zeigt der Markt schon heute. Aktuelle Finanzdaten fließen bereits in personalisierte Kreditangebote und risikobasiertes Pricing ein.
Abschlussbarrieren reduzierenDer wirtschaftliche Nutzen endet nicht beim Angebot. Je weniger Informationen der Kunde erneut eingeben oder die Bank beschaffen muss, desto einfacher wird der Wechsel:
- bekannte Daten übernehmen
- nur fehlende Angaben ergänzen
- Nachweise gezielt statt pauschal anfordern
- manuelle Eingaben reduzieren
FiDA liefert die Datenbasis. Paperfly macht daraus eine Abschlussstrecke.
FiDA schafft den Rahmen, um freigegebene Finanzdaten für neue Services nutzbar zu machen. Zwischen Angebot und unterschriebenem Vertrag passiert trotzdem noch eine ganze Menge: Paperfly bildet den kunden-, daten- und dokumentengetriebenen Prozess zwischen erkanntem Ablösepotenzial und abgeschlossenem Vorgang vollständig ab.
Dynamic Workflows steuern abhängig vom konkreten Fall, welche Angaben, Dokumente und Folgeschritte benötigt werden, und übergeben das Ergebnis anschließend an bestehende Systeme.
Document Collection fordert benötigte Nachweise geführt an, klassifiziert eingehende Dokumente, prüft sie auf Lesbarkeit und Vollständigkeit und stößt bei Bedarf gezielte Nachforderungen an.
Für den Vertragsabschluss lassen sich ID Check und elektronische Signaturen unmittelbar in dieselbe Strecke integrieren.
Fazit: Aus einem Fremdkredit wird ein konkreter Vertriebsprozess
FiDA ist für Banken nicht nur eine neue Anforderung an den Finanzdatenaustausch. Die Umschuldung zeigt, welches Geschäft auf Basis freigegebener Finanzdaten entstehen kann: Ein Kredit, der heute bei einem Wettbewerber liegt, wird zum möglichen Ausgangspunkt für ein eigenes Angebot.
Wenn diese Schritte durchgängig zusammenspielen, wird dank „Product Switching“ tatsächlich neues Kreditgeschäft.
FAQ: FiDA und digitale Kreditumschuldung
Was hat FiDA mit der Kreditumschuldung zu tun?
FiDA soll den Zugang zu Finanzdaten über den bisherigen Open-Banking-Rahmen hinaus erweitern. Mit Zustimmung des Kunden können dadurch auch Informationen zu bestehenden Kreditverhältnissen für neue Services nutzbar werden. Für Banken kann ein Fremdkredit so zum Ausgangspunkt für ein eigenes Umschuldungsangebot werden.
Was bedeutet Product Switching bei FiDA?
Product Switching bezeichnet den Wechsel eines bestehenden Finanzprodukts zu einer passenden Alternative auf Basis freigegebener Finanzdaten. Im Kreditgeschäft kann das beispielsweise bedeuten, einen bestehenden Fremdkredit zu identifizieren und dem Kunden eine Refinanzierung zu anderen Konditionen anzubieten.
Kann FiDA einen Fremdkredit automatisch in einen neuen Kredit umwandeln?
FiDA schafft zunächst den Rahmen für den Datenzugang. Aus einem erkannten Fremdkredit entsteht noch kein neuer Kreditvertrag. Angebot, zusätzliche Angaben und Nachweise, Kredit- und Risikoprüfung, Identifikation, Vertrag, Signatur sowie die eigentliche Ablösung bleiben Bestandteile des Kreditprozesses, der von Paperfly durchgängig automatisiert abgewickelt wird.
Welche Rolle übernimmt Paperfly bei einer FiDA-Umschuldung?
Paperfly bildet die digitale Strecke zwischen erkanntem Ablösepotenzial und abgeschlossenem Kreditvorgang ab. Dazu gehören fallbasierte Datenerfassung, Dokumentenprüfung und Nachforderungen, Human Tasks, Identifikation, elektronische Signaturen und die strukturierte Übergabe an bestehende Banksysteme. Pricing und Kreditentscheidung verbleiben bei der Bank.
Quellen:
Euro Banking Association: FiDA Report 2025
www.abe-eba.eu/2025/07/16/fida-the-catalyst-for-an-open-data-economy-a-practitioners-view-on-the-opportunities-and-challenges-of-the-proposed-financial-data-access-fida-regulation/
Europäische Kommission / EUR-Lex: Vorschlag für eine Verordnung über einen Rahmen für den Zugang zu Finanzdaten (FiDA), COM(2023) 360 final
eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX%3A52023PC0360
Europäische Kommission: Framework for Financial Data Access
finance.ec.europa.eu/digital-finance/framework-financial-data-access_en
