Ein Gewerbekunde möchte seine Betriebsmittelfinanzierung aufstocken. Neben den bereits vorhandenen Bankdaten gibt er per FiDA zusätzliche Finanzinformationen aus anderen Geschäftsbeziehungen frei.

Das ist ein guter Start. Die Datenbasis wird breiter. Ein entscheidungsfähiger Kreditfall entsteht daraus noch nicht.

FiDA kann den Weg zur Kreditentscheidung verkürzen, doch erst wenn vorhandene Finanzdaten, fehlende Angaben und benötigte Dokumente zu einem vollständigen Finanzierungsfall zusammenkommen, kann die Bank prüfen, entscheiden und den Kredit bis zum Abschluss weiterführen.

Serie: Financial Data Access (FiDA) für Banken

Wie Banken den EU-Rahmen für Financial Data Access operationalisieren, Consent-to-Service-Journeys aufbauen und aus Open-Finance-Daten skalierbare Erträge entwickeln:



Das erwartet Sie in diesem Artikel:

Wo die KMU-Finanzierung heute Zeit verliert

Nicht die Kreditentscheidung benötig Zeit, vielmehr die Pausen dazwischen. Ein Berater öffnet die Akte, sieht eine fehlende BWA, schreibt eine E-Mail und legt den Fall zunächst wieder an die Seite, bis Antwort kommt.

Sie kennen das: Unterlagen die fehlen, Dokumente, die veraltet sind. Nach einer ersten Prüfung fällt auf, dass noch etwas benötigt wird. Dann beginnt die nächste Schleife mit Rückfragen, Nachreichungen und später einer erneuten Prüfung.

Wo konkret Zeit verloren geht:

  • Die Anforderungen ändern sich pro Fall: Kredithöhe, Rechtsform und Finanzierungsart beeinflussen, welche Unterlagen tatsächlich benötigt werden. Bei größeren oder komplexeren Finanzierungen kommen häufig zusätzliche Nachweise hinzu.
  • Vorhandene Dokumente sind nicht automatisch verwertbar: Eine BWA, SuSa oder ein Kontoauszug kann vorliegen und trotzdem unvollständig oder für die Prüfung nicht direkt nutzbar sein. Rückfragen und erneute Einreichungen sind das Ergebnis.
  • Unterlagen kommen in mehreren Runden: Erst nach der ersten Prüfung zeigt sich oft, welche Nachweise noch fehlen oder aktualisiert werden müssen. Jeder zusätzliche Rücklauf verlängert den Prozess.
  • Vollständigkeit beeinflusst die Bearbeitungszeit: Je früher alle relevanten Angaben und Unterlagen vollständig vorliegen, desto schneller kann der Fall geprüft und weitergeführt werden.
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FiDA erweitert die Datenbasis für den Firmenkredit

Banken sollen mit Zustimmung des Unternehmens auf eine breitere Finanzdatenbasis zugreifen können als heute über klassische Open-Banking-Schnittstellen.

Für den Firmenkredit heißt das: Die Bank kann finanzielle Informationen früher in den Prozess einbeziehen und muss nicht jedes Bild der Unternehmenssituation erst aus einzelnen Angaben und Dokumenten zusammensetzen.

Die Euro Banking Association nennt verbessertes Underwriting ausdrücklich als konkrete Option. 38 Prozent der befragten Institute zählen diesen Anwendungsfall zu den FiDA Use Cases mit besonders hohem Potenzial.

Was FiDA für die KMU-Finanzierung verändern kann:

  • Breitere Datenbasis: Der vorgesehene FiDA-Rahmen umfasst mehr als Zahlungsverkehrsdaten und bezieht auch Kredit- und Bonitätsinformationen von Unternehmen ein.
  • Bessere Grundlage für die Kreditprüfung: Die EBA (Euro Banking Association) sieht verbessertes Underwriting für SMEs (Small and Medium-sized Enterprises) ausdrücklich als möglichen FiDA Use Case.
  • Einfachere Kreditanträge: Der Rat der EU nennt gestraffte Kreditantragsprozesse und besseren Zugang zu Finanzierung für KMU ausdrücklich als mögliche Vorteile eines erweiterten Finanzdatenaustauschs.

Ein gutes Finanzbild macht noch keinen vollständigen Kreditfall

Die verfügbaren Finanzdaten helfen natürlich, die wirtschaftliche Situation eines Unternehmens früher einzuschätzen. Für einen konkreten Firmenkredit reicht dieses Bild jedoch nicht aus.

Je nach Finanzierung können weiterhin aktuelle BWA und Jahresabschlüsse, Angaben zu bestehenden Krediten, wirtschaftlich Berechtigten, Sicherheiten oder dem geplanten Vorhaben benötigt werden.

Genau diese Lücke beschreibt auch die FiDA-Folgenabschätzung der Europäischen Kommission:

  • Die Erhebung von Daten bei KMU-Kreditanträgen sei heute aufwendig und liefere nicht immer alle relevanten Informationen.
  • In der zugrunde liegenden Konsultation hielten nur 28,6 Prozent der Teilnehmer die für die KMU-Kreditwürdigkeitsprüfung benötigten Daten technisch für ohne Weiteres verfügbar;
  • 71 Prozent sahen die erforderlichen Daten zudem als nicht ausreichend standardisiert an.

Welche Informationen wofür gebraucht werden

Information Wofür sie im Kreditfall relevant sein kann
FiDA-/Finanzdaten Finanzielles Ausgangsbild und bestehende Verpflichtungen
Finanzierungszweck und Volumen Auswahl und Ausgestaltung der Finanzierung
BWA / SuSa Aktuelle Geschäftsentwicklung
Jahresabschluss Längerfristige wirtschaftliche Entwicklung
Unternehmens- und Eigentümerinformationen Unternehmensstruktur und Identifikation wirtschaftlich Berechtigter
Sicherheiten Absicherung und Risikobewertung
Projekt- oder Investitionsunterlagen Einordnung des konkreten Finanzierungsbedarfs

Aus FiDA-Daten wird ein entscheidungsfähiger Finanzierungsfall

Mehr Finanzdaten allein reichen nicht. Für einen Firmenkredit müssen sie mit dem konkreten Finanzierungswunsch und den erforderlichen Unterlagen zusammenkommen.

1. Finanzierungswunsch und Datenbasis zusammenführen

Das Unternehmen gibt relevante Finanzdaten frei und startet die Finanzierung. Bereits bekannte Kunden- und Unternehmensdaten werden mit Finanzierungszweck und gewünschtem Volumen zusammengeführt.

FiDA liefert dabei eine erweiterte Datenbasis.

2. Den Kreditfall einordnen

Jetzt entscheidet der konkrete Fall, was noch benötigt wird. Rechtsform, Finanzierungsart, Volumen und Sicherheiten bestimmen, welche Angaben und Nachweise erforderlich sind. Bereits vorhandene Informationen müssen nicht erneut abgefragt werden.

Paperfly Dynamic Workflows bieten dafür eine fallabhängige Strecke: Nicht benötigte Abfragen bleiben außen vor, zusätzliche Anforderungen erscheinen nur dann, wenn der Fall sie tatsächlich auslöst.

3. Fehlende Unterlagen gezielt anfordern und prüfen

Paperfly Document Collection fordert die benötigten Dokumente an, erkennt Dokumenttypen, prüft Lesbarkeit und Vollständigkeit und kann fehlende Unterlagen gezielt nachfordern. So entsteht keine pauschale Dokumentenliste für jeden Firmenkunden, sondern eine Anforderungsstrecke passend zum jeweiligen Kreditfall.

4. Dokumente für den weiteren Prozess aufbereiten

Eingehende PDFs landen nicht mehr auf dem Tisch eines Sachbearbeiters, der Daten manuell abtippt. Paperfly Agents und Intelligente Dokumentenverarbeitung (IDP) können Dokumente klassifizieren, relevante Informationen extrahieren, definierte Angaben mit vorhandenen Antrags- oder Finanzdaten abgleichen und daraus Folgeaktionen auslösen.

5. Standardfälle weiterführen, Grenzfälle gezielt übergeben

Sind Angaben und Dokumente vollständig, kann der Vorgang in die bankeigene Kreditprüfung gehen. Erfüllt er die definierten Voraussetzungen, läuft der Prozess weiter.

Bei Ausnahmen oder offenen Fragen wird gezielt eine Human Task ausgelöst. Statt den gesamten Vorgang manuell durchsuchen zu müssen, erhält der Mitarbeiter eine klar definierte Aufgabe mit den für seine Entscheidung relevanten Informationen und Dokumenten.

6. Vom genehmigten Kredit zum Vertrag

Nach der Kreditentscheidung folgen Vertragsunterlagen, gegebenenfalls Identifikation, erforderliche Signaturen und die Übergabe an bestehende Banksysteme.

Am Ende steht ein vollständiger, strukturierter Finanzierungsfall, den die Bank prüft, eine Entscheidung fällt und die Freigabe bis zum Kreditabschluss weiterführt.

Wo verdient die Bank mit diesem FiDA Use Case Geld?

Eine breitere Datenbasis kann helfen, einen Finanzierungsbedarf früher einzuordnen und direkt in den passenden Kreditprozess zu überführen. FiDA soll genau solche datenbasierten Finanzservices erleichtern und insbesondere KMU den Zugang zu Finanzierung vereinfachen.

Mehr Fälle schneller entscheidungsfähig bekommen

Solange Angaben fehlen, Dokumente nicht verwertbar sind oder Nachforderungen offenstehen, kann die Bank nicht entscheiden. Der operative Hebel liegt deshalb darin, möglichst schnell einen vollständigen Finanzierungsfall herzustellen.

Time-to-Decision verkürzen

Dafür muss nicht jeder Schritt schneller werden. Oft reicht es schon, unnötige Schritte herauszunehmen:

  • vorhandene Daten nicht erneut erfassen
  • Dokumente nur dann anfordern, wenn sie für den Fall gebraucht werden
  • Vollständigkeit früh automatisiert prüfen
  • Standardfälle ohne zusätzliche manuelle Übergaben weiterführen

Beratung dort einsetzen, wo sie gebraucht wird

Nicht jede fehlende BWA und nicht jede formale Nachforderung muss beim Firmenkundenberater landen. Standardisierte Prüf- und Nachforderungsschritte können im Prozess vollautomatisiert laufen. Sobald ein Fall fachlich abweicht oder eine individuelle Entscheidung braucht, wird er gezielt an Beratung oder Marktfolge übergeben.

FiDA liefert Finanzdaten, Paperfly übernimmt den Finanzierungsfall

FiDA liefert der Bank also eine breitere Finanzdatenbasis. Für einen entscheidungsfähigen Firmenkredit braucht es danach aber eine durchgängige Prozessstrecke, in der Finanzierungswunsch, zusätzliche Angaben, Unterlagen, Nachforderungen und Prüfungen zusammenlaufen.

Paperfly übernimmt die kunden- und dokumentenseitige Strecke rund um die Kreditentscheidung. Vor der bankinternen Prüfung werden fehlende Angaben ergänzt, benötigte Dokumente angefordert und auf Vollständigkeit geprüft.

Dynamic Workflows passen den weiteren Ablauf an den konkreten Fall an. Document Collection strukturiert den Dokumenteneingang und unterstützt gezielte Nachforderungen.

Die eigentliche Kreditentscheidung bleibt bei der Bank. Nach der Entscheidung kann Paperfly den Vorgang automatisch weiterführen: erforderliche Freigaben einbinden, Verträge bereitstellen, elektronische Signaturen integrieren und Daten sowie Dokumente strukturiert an vorhandene Banksysteme übergeben.

Fazit: Mehr Daten allein machen noch keinen schnelleren KMU-Kredit

FiDA kann Banken früher ein breiteres Bild der finanziellen Situation eines Unternehmens geben. Für einen entscheidungsfähigen Firmenkredit reicht das nicht. Welche Angaben, Dokumente und Prüfungen noch fehlen, hängt weiterhin vom konkreten Fall ab.

Der eigentliche Wert liegt deshalb im Prozess als Ganzes: vorhandene Daten übernehmen, nur Fehlendes ergänzen, Unterlagen qualifizieren und den vollständigen Fall strukturiert in die Kreditentscheidung bringen.

Für die KMU-Finanzierung zählt am Ende nicht nur, welche Daten verfügbar sind, sondern wie schnell daraus ein vollständiger Finanzierungsfall wird.

FAQ: FiDA und KMU-Finanzierung

Wie kann FiDA die Kreditvergabe an KMU unterstützen?

FiDA soll Banken mit Zustimmung des Unternehmens Zugang zu einer breiteren Finanzdatenbasis ermöglichen. Für die KMU-Finanzierung können dadurch zusätzliche Informationen früher in die Kreditprüfung einfließen. Das kann die Datenerhebung vereinfachen und Underwriting unterstützen. Die eigentliche Bonitätsprüfung und Kreditentscheidung bleiben weiterhin Aufgabe der Bank.

Welche Unternehmensdaten sind für FiDA bei KMU relevant?

Der vorgesehene FiDA-Rahmen geht über klassische Zahlungskontodaten hinaus und umfasst unter anderem Kreditinformationen sowie „Firm Creditworthiness Data“. Welche konkreten Datenfelder später standardisiert verfügbar sind, hängt jedoch von der finalen regulatorischen Ausgestaltung und den technischen Standards ab. Eine feste FiDA-Datenliste lässt sich deshalb derzeit nicht seriös versprechen.

Ersetzt FiDA BWA und Jahresabschluss bei einem Firmenkredit?

FiDA kann Finanzdaten leichter zugänglich und für Kreditprozesse nutzbar machen, ersetzt aber nicht automatisch BWA, Jahresabschluss oder andere Nachweise. Welche Unterlagen zusätzlich erforderlich sind, hängt vom Unternehmen, der Finanzierungsart, dem Kreditvolumen, vorhandenen Sicherheiten und den Vorgaben der jeweiligen Bank ab.

Entscheiden Paperfly Agents über einen Firmenkredit?

Paperfly Agents können Dokumente klassifizieren, Informationen extrahieren, Vollständigkeit prüfen und definierte Folgeaktionen auslösen. Rating, Risikomodell, Pricing und Kreditentscheidung bleiben bei der Bank. Paperfly bereitet den Finanzierungsfall auf und steuert den Prozess, ersetzt aber weder die Risk Engine noch die fachliche Kreditentscheidung.

Was bedeutet Human-in-the-Loop bei einer KMU-Finanzierung?

Human-in-the-Loop bedeutet, dass standardisierbare Prozessschritte automatisiert laufen, während definierte Ausnahmen gezielt bei einem Mitarbeiter landen. Fehlt beispielsweise eine Information oder überschreitet ein Fall einen festgelegten Schwellenwert, wird der bereits aufbereitete Finanzierungsfall an Beratung oder Marktfolge übergeben. Der Mensch entscheidet dort, wo fachliche Beurteilung nötig ist.

Quellen:

Euro Banking Association: FiDA Report 2025

www.abe-eba.eu/2025/07/16/fida-the-catalyst-for-an-open-data-economy-a-practitioners-view-on-the-opportunities-and-challenges-of-the-proposed-financial-data-access-fida-regulation/

Europäische Kommission: FiDA Impact Assessment

eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/TXT/?uri=CELEX%3A52023SC0224

Rat der Europäischen Union: offizielle FiDA-Mitteilung

www.consilium.europa.eu/de/press/press-releases/2024/12/04/capital-markets-union-council-agrees-to-make-consumers-financial-data-more-accessible/