Klassisches Intelligent Document Processing (IDP) beschränkt sich meist darauf, Dokumente zu erkennen, zu klassifizieren und Daten zu extrahieren. Paperfly denkt das als „IDP+“ weiter: Die extrahierten Informationen bleiben nicht isoliert, sondern treiben direkt komplette End-to-End-Workflows an.

Doch auch ein weitgehend automatisierter Dokumentenprozess stößt an Grenzen, wenn Informationen widersprüchlich sind, die Erkennung nicht eindeutig ist oder eine fachliche Entscheidung erforderlich wird.

Gute Automatisierung versucht nicht zwanghaft, jeden Fall ohne menschliche Expertise abzuschließen. Sie muss erkennen, wann ein Standardfall automatisch weiterläuft, wann Informationen ergänzt werden müssen und wann ein Mitarbeiter übernehmen soll.

Exception Handling, Human-in-the-Loop und kontrollierte Autonomie greifen dabei ineinander. Der Prozess ist darauf ausgelegt, mit Unsicherheit, Ausnahmen und fachlichen Entscheidungen umzugehen.


Serie: Intelligente Dokumentenverarbeitung (IDP) in der Praxis

Wie modernstes IDP+, dynamische Workflows und Human-in-the-Loop unstrukturierte Dokumente in vollständige Geschäftsprozesse verwandeln.


Das erwartet Sie in diesem Artikel:

Was passiert bei widersprüchlichen oder unsicheren Informationen?

Automatisierte Dokumentenverarbeitung funktioniert besonders gut, wenn Informationen eindeutig sind und der weitere Ablauf klar definiert werden kann. In der Praxis gibt es jedoch Fälle, bei denen diese Voraussetzung nicht erfüllt ist.

Für solche Situationen braucht der Prozess eine klare Entscheidungslogik.

Situation Nächster Schritt
Eindeutig und vollständig Automatisch weiter
Information oder Dokument fehlen Automatisiert anfordern und ergänzen
Widersprüchlich oder unsicher Fachlich zu prüfen
Damit entsteht nicht nur ein idealer Pfad, der Workflow kennt auch den Umgang mit Abweichungen. Eine gute Automatisierungsquote entsteht nicht dadurch, dass Ausnahmen ignoriert werden.

Wann sollte ein Mitarbeiter übernehmen?

Human-in-the-Loop bedeutet, einen Menschen genau dort einzubinden, wo seine fachliche Entscheidung tatsächlich gebraucht wird.

Das kann beispielsweise sinnvoll sein:

  • bei geringer Sicherheit oder niedrigen Konfidenzwerten
  • bei widersprüchlichen Informationen
  • bei fachlichen Entscheidungen
  • bei ungewöhnlichen Sonderfällen
  • bei hohem wirtschaftlichem Risiko
  • bei bestimmten Freigaben oder Eskalationen
Der Mitarbeiter greift punktuell dort ein, wo Expertise nötig ist. Dafür erhält er die Informationen, die für eine Entscheidung benötigt werden. Sobald die fachliche Entscheidung getroffen oder eine Freigabe erteilt ist, übernimmt das System wieder. Der Workflow bricht nicht ab, sondern setzt sich mit der neuen Information fort.

Warum Human-in-the-Loop kein Bruch der Automatisierung ist

Oft ist es noch so: Die Automatisierung erkennt eine Ausnahme und übergibt den Vorgang an einen Mitarbeiter. Dieser öffnet anschließend ein weiteres System, schreibt E-Mails, pflegt den Status manuell und steuert den weiteren Ablauf freihändig neben dem automatisierten Prozess vorbei.

Technisch wurde die Ausnahme zwar erkannt, der Prozess ist jedoch gestrandet und die Automatisierung an dieser Stelle beendet.

Human-in-the-Loop bedeutet deshalb nicht, dass bei einer Ausnahme der gesamte Prozess manuell weitergeführt wird. Der Mitarbeiter übernimmt nur den definierten Prüf- oder Entscheidungsschritt. Danach setzt sich der automatisierte Workflow fort.

Genau darin liegt der Unterschied zwischen manueller Nachbearbeitung und einem kontrollierten Ausnahmeprozess. Bei Paperfly ist deshalb ausdrücklich vorgesehen, dass nach Prüfung oder Korrektur der Prozess weiter zum Abschluss führt.

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Vom regelbasierten Workflow zur kontrollierten Autonomie

Viele Abläufe lassen sich sehr zuverlässig über feste Regeln steuern. Wird beispielsweise ein bestimmter Dokumenttyp erkannt, kann der dafür vorgesehene Prozess gestartet werden. Fehlt ein definierter Nachweis, wird dieser gezielt angefordert. Überschreitet ein Betrag eine festgelegte Grenze, kann automatisch eine Freigabe eingeholt werden.

Mit zunehmender Komplexität können KI-gestützte Abläufe hinzukommen. Sie können beispielsweise Informationen bewerten, Zusammenhänge erkennen oder mehrere Schritte innerhalb eines Vorgangs miteinander verbinden.

Daraus lässt sich ein einfaches Reifegradmodell ableiten:

Stufe Was passiert? Ergebnis
1. Dokument verstehen Inhalte erkennen und strukturieren Direkt nutzbare Informationen
2. Regelbasiert weiterverarbeiten Definierte Regeln lösen Aktionen aus Automatisierter Workflow
3. Intelligente Tasks und Workflows Analyse, Entscheidung und Aktionen werden kombiniert Selbst komplexere Vorgänge laufen automatisiert weiter
4. Kontrollierte Autonomie Ein Agent bearbeitet einen abgegrenzten Prozess innerhalb definierter Leitplanken Weitgehend selbstständige Bearbeitung mit „Human-in-the-Loop“

In der vierten Stufe übernimmt ein Agent also nicht beliebig den Prozess. Er arbeitet innerhalb eines definierten Aufgabenbereichs, mit festgelegten Datenquellen, Systemzugriffen und Ausnahmegrenzen. Kann eine Entscheidung nicht ausreichend sicher getroffen werden, wird sie an einen Mitarbeiter übergeben.

Je klarer Regeln, Daten und Ausnahmegrenzen definiert sind, desto mehr Teile eines Vorgangs können kontrolliert automatisiert werden.

Wie bleiben automatisierte Entscheidungen nachvollziehbar?

Mit zunehmender Automatisierung wird nicht nur die Frage wichtig, was entschieden wurde, sondern auch warum.

Für einen Vorgang sollte deshalb nachvollziehbar bleiben:

  • welche Informationen erkannt und verwendet wurden
  • welche Regeln angewendet wurden
  • welcher Prozesspfad daraus entstanden ist
  • welche Nachforderung ausgelöst wurde
  • wann ein Mitarbeiter eingegriffen hat
  • welche Freigaben erteilt wurden
  • welche Aktion anschließend ausgeführt wurde

Diese Nachvollziehbarkeit wird besonders wichtig, sobald regelbasierte Entscheidungen, KI-gestützte Abläufe und menschliche Eingriffe innerhalb desselben Prozesses zusammenkommen.

Fazit: Mehr Autonomie braucht klare Grenzen

Die nächste Entwicklungsstufe intelligenter Dokumentenverarbeitung besteht darin, menschliche Expertise gezielt dort einzubinden, wo sie gebraucht wird. Entscheidend ist dabei, welche Aufgaben eindeutig automatisiert werden können und wo eine fachliche Entscheidung sinnvoll bleibt.

  • Standardfälle können regelbasiert weiterlaufen.
  • Fehlende Informationen werden gezielt ergänzt.
  • Unsichere Fälle gehen in eine Human Task.

Und bei klar abgegrenzten Aufgaben können AI Agents mehrere Analyse-, Entscheidungs- und Handlungsschritte selbstständig miteinander verbinden.

Damit verändert sich die Rolle des Mitarbeiters: Er bearbeitet nicht mehr jeden Vorgang, sondern vor allem die Fälle, bei denen seine Expertise und Entscheidung tatsächlich benötigt wird.

Im letzten Teil der Serie geht es darum, wie Paperfly intelligente Dokumentenverarbeitung, dynamische Workflows und AI Agents in einer Plattform intelligent vereint.

Häufige Fragen zu Human-in-the-Loop und AI Agents

Was bedeutet Human-in-the-Loop?

Human-in-the-Loop bezeichnet einen Prozess, bei dem automatisierte Systeme einen Vorgang bearbeiten, aber an definierten Stellen einen Menschen für Prüfung, Korrektur, Freigabe oder fachliche Entscheidung einbinden. Anschließend kann der automatisierte Workflow mit dem Ergebnis weiterarbeiten.

Wann sollte ein Mitarbeiter in einen automatisierten Prozess eingreifen?

Ein menschlicher Eingriff ist insbesondere bei widersprüchlichen Informationen, geringer Erkennungssicherheit, fachlich komplexen Entscheidungen, ungewöhnlichen Sonderfällen, hohen wirtschaftlichen Risiken oder definierten Freigabeschritten sinnvoll.

Ist Human-in-the-Loop ein Zeichen für schlechte Automatisierung?

Bei komplexen Geschäftsprozessen ist Human-in-the-Loop ein bewusstes Kontrollinstrument. Entscheidend ist, dass der Mitarbeiter nur den notwendigen Entscheidungsschritt übernimmt und der bestehende Workflow anschließend automatisch weiterlaufen kann.

Was ist der Unterschied zwischen einem regelbasierten Workflow und einem AI Agent?

Ein regelbasierter Workflow führt vorher festgelegte Aktionen anhand definierter Bedingungen aus. Ein AI Agent kann innerhalb eines abgegrenzten Aufgabenbereichs zusätzlich Informationen bewerten, mehrere Schritte planen und Aktionen ausführen. Regeln und Sicherheitsgrenzen bestimmen dabei, wie weit diese Autonomie reicht.

Was bedeutet kontrollierte Autonomie?

Kontrollierte Autonomie bedeutet, dass ein AI Agent bestimmte Aufgaben oder Vorgänge weitgehend selbstständig bearbeiten darf, jedoch innerhalb klar definierter Leitplanken. Unsichere, besonders riskante oder ausdrücklich freigabepflichtige Entscheidungen werden weiterhin an Menschen übergeben.