Jeder Versicherer kennt das Szenario: Die digitale Schadenmeldung via App oder Portal funktioniert meist reibungslos. Doch danach stockt der Prozess.

Dokumente, Fotos und Rechnungen erreichen die Sachbearbeiter über E-Mail, Post und weitere Kanäle. Externe Akteure - von der Werkstatt bis zum Gutachter - sind nicht durchgängig integriert.

Hier entsteht der eigentliche Engpass: Sachbearbeiter müssen Informationen mühsam zusammenführen und Rückfragen klären, statt den Schaden aktiv zu regulieren. Echte Effizienz entsteht erst, wenn der Austausch zwischen allen Beteiligten strukturiert, medienbruchfrei und durchgängig digitalisiert ist.

Serie: Digitale Schadenprozesse für Versicherer

Wie durchgängige digitale Workflows Kommunikation, Dokumente und Entscheidungen automatisieren.

Das erwartet Sie in diesem Artikel:

Warum digitale Schadenbearbeitung ein strategischer Hebel für Versicherer ist

Die zentrale Herausforderung im Schadenmanagement ist heute nicht das Volumen, sondern die fehlende Struktur. Bisher erreichen Daten die Unternehmen oft unvollständig, zeitversetzt und über zahlreiche, ungeordnete Kanäle.

Echte Transformation beginnt bei der Datenqualität: Erst wenn Informationen validiert und strukturiert direkt dem Fall zugeordnet werden, entsteht ein belastbarer Prozess.

Die digitale Bearbeitung überführt papierlastige Altprozesse in rechtssichere High-Speed-Workflows.

So entsteht erstmals ein konsistenter Datenfluss über den gesamten Prozess. Die digitale Schadenbearbeitung transformiert dabei klassische, oft noch papierbasierte Prozesse in automatisierte, rechtssichere Workflows.

Wichtige Vorteile auf einen Blick:

  • Beschleunigung der Schadenbearbeitung
    auf unter 24 Stunden bei Standardfällen
  • Reduktion manueller Eingaben
    und Fehlerquellen
  • Vollständige Revisionssicherheit
    dank digitaler Audit-Trails
  • Optimierung von Ressourceneinsatz
    und Personalkosten

Digitale Schadenaufnahme als Kern moderner Schadenprozesse

Ein Schadenfall ist kein linearer Dialog, sondern ein komplexes Netzwerk. Die klassische Organisation in Kanälen (App, E-Mail, Post) stößt hier an Grenzen. Moderne Schadenprozesse müssen fallbasiert funktionieren.

Führende Versicherer wie die Generali organisieren ihre Schadenaufnahme deshalb bereits als durchgängigen Workflow, statt als Abfolge einzelner Kanäle.

Ohne eine strukturierte Infrastruktur koordinieren Sachbearbeiter lediglich, statt den Schaden aktiv zu regulieren. Paperfly bricht diese Silos auf: Informationen werden zentral orchestriert, automatisch zugeordnet und revisionssicher dokumentiert.

Was Sie nicht mehr möchten:

  • Dokumente werden über verschiedene Kanäle verteilt 
  • Informationen müssen manuell zusammengeführt werden 
  • Rückfragen und Nachforderungen erzeugen zusätzlichen Aufwand 
  • Sachbearbeiter koordinieren statt zu regulieren

Paperfly löst genau dieses Problem und verbindet Schadenakte, Dokumente, Kommunikationskanäle und Prozessbeteiligte zu einem strukturierten digitalen Austausch. Informationen werden zentral gesammelt, automatisch zugeordnet und revisionssicher dokumentiert.

Damit wird aus fragmentierter Schadenbearbeitung ein durchgängiger digitaler Schadenprozess.

Wie ein Versicherer seine Schadenaufnahme vollständig als Workflow organisiert, zeigt der Praxisbericht zur Generali.

End-to-End-Schadenprozess digitalisieren - So unterstützt Paperfly Versicherer

Paperfly fungiert als Prozess- und Orchestrierungsschicht zwischen Bestandssystem und allen Prozessbeteiligten der Versicherung. Das System verbindet dabei Kommunikationskanäle und Dokumentenflüsse in einem durchgängigen Workflow und sorgt dafür, dass alle Informationen strukturiert erfasst, validiert und direkt dem jeweiligen Schadenfall zugeordnet werden.

Die digitale End-to-End-Bearbeitung transformiert also fragmentierte, oft noch papierbasierte Prozesse in durchgängige, automatisierte Workflows:

  1. Schadenanlage & Prozessstart
    Mit Anlage des Schadenfalls im Bestandssystem wird der gesamte Kommunikations- und Dokumentenprozess automatisch gestartet.
  2. Strukturierte Datenerfassung im Prozess
    Kunden, Gutachter und weitere Beteiligte liefern Daten und Dokumente direkt im Workflow zurück. Pflichtfelder, Validierungen und Logiken stellen sicher, dass alle Angaben vollständig und korrekt sind.
Schritt Manuell Digital & automatisiert Vorteil
Dokumentenannahme Post, E-Mail Strukturierte Erfassung aller Daten und Dokumente im Prozess Mehr Geschwindigkeit
Vollständigkeitsprüfung Manuelle Prüfung Automatische Prüfung via Regeln & KI Weniger Fehler & Rückfragen
Klassifizierung & Routing Manuelle Zuordnung Automatische Erkennung & Weiterleitung Höhere Effizienz
  1. Automatische Verarbeitung & Zuordnung
    Eingehende Informationen werden erkannt, validiert und unmittelbar dem Schadenfall zugeordnet. Eine manuelle Zusammenführung entfällt.
  2. Transparenz, Entscheidung & Abschluss
    Alle Beteiligten arbeiten auf einer einheitlichen Datenbasis. Entscheidungen werden schneller getroffen, der Status ist jederzeit nachvollziehbar und der gesamte Prozess revisionssicher dokumentiert.

Zusammenarbeit mit Gutachtern über Paperfly

Ein typisches Beispiel für strukturierte Schadenkommunikation ist der Austausch zwischen Versicherung und Gutachter. In vielen Versicherungen erfolgt dieser größtenteils weiterhin über den Postweg. Bei der LVM Versicherung wird dieser Austausch über Paperfly organisiert, das als digitaler Hub für Partner arbeitet. Damit entsteht ein strukturierter digitaler Arbeitsraum zwischen Versicherung und externem Partner.

Sicherheit bei der Übermittlung: Vor der Einführung von Paperfly erfolgte der Austausch mit Gutachtern häufig über Post, da kein durchgängiger, sicherer digitaler Übermittlungsweg zur Verfügung stand. Mit Paperfly wird dieser Austausch erstmals vollständig digital, strukturiert und sicher abgebildet.

Wie die Zusammenarbeit mit Gutachtern konkret in der Praxis umgesetzt wird, zeigt der Use Case der LVM Versicherung.

Der Business Case: ROI für digitale Schadenbearbeitung

Der größte wirtschaftliche Hebel liegt in der Reduktion des Koordinationsaufwands. Regulierer verbringen derzeit einen erheblichen Teil ihrer Kapazität mit der manuellen Informationsbeschaffung. Durch automatisierte Prozesse gewinnen sie den Freiraum für ihre eigentliche Kernkompetenz: die qualifizierte Schadenregulierung.

Durch strukturierte Datenerfassung und vollständige Informationen im Prozess entfällt ein erheblicher Teil manueller Koordination:

Kostenfaktor Manuell Digital & automatisiert Einsparpotenzial
FTE-Aufwand pro 1.000 Fälle 15 Mitarbeiter 8-10 Mitarbeiter -33 % bis -45 %
Bearbeitungszeit pro Fall ~10 Tage ~4-5 Tage -50 %
Nachbearbeitungsquote ~12 % ~5 % -58 %
Audit-Aufwand Manuell, fallweise Nachverfolgung Automatisiert, revisionssicher dokumentiert -20 % bis -40 %
Medienbrüche & Fehlerkosten Hoch (E-Mail, Post, manuelle Zuordnung) Niedrig (strukturierter Workflow) bis zu -75 %

Messrahmen: Zeitraum: 6-12 Monate, Population: Kfz- und Gebäudeschäden, Methode: Vorher/Nachher-Benchmark, Datenquellen: Schadenakte, Workflow-Logs, Reporting: Quartalsweise, FTE steht für „Full-Time Equivalent“ (Vollzeitäquivalent)

Compliance & Governance in digitalen Schadenprozessen

Während manuelle Prozesse häufig durch intransparente Medienbrüche und unvollständige Dokumentation geprägt sind, ermöglichen Audit-Trails und rollenbasierte Zugriffskonzepte eine lückenlose Nachvollziehbarkeit aller Entscheidungen. Compliance wird damit integraler Bestandteil der Prozessarchitektur, nicht nachgelagerte Kontrollinstanz.

Zentrale Governance-Anforderungen in der digitalen Schadenbearbeitung

  • Lückenlose Audit-Trail-Mechanik
    (wer, wann, was, warum)
  • Rollen- und Rechtekonzept
    mit klarer Zugriffsmatrix
  • DSGVO-konforme Datenverarbeitung
    und Löschkonzepte

Integration in bestehende Schaden- und Bestandssysteme

Digitale Schadenbearbeitung muss sich nahtlos in die bestehende IT-Landschaft von Versicherern integrieren. Schaden- und Bestandssysteme bleiben dabei weiterhin die zentrale Quelle für Vertrags- und Schadeninformationen. Moderne Workflow-Plattformen wie Paperfly ergänzen diese Systeme.

Typische Integrationspunkte sind:

  • Schadenanlage im Kernsystem als Prozess-Trigger 
  • Übergabe von Dokumenten und Informationen in die Schadenakte 
  • Rückführung von Formular-Daten, Fotos und Gutachten 
  • Synchronisierung von Statusinformationen im Schadenprozess

KI in der Schadenbearbeitung: Chancen und Grenzen

Künstliche Intelligenz entwickelt sich zunehmend zu einem zentralen Baustein der digitalen Schadenbearbeitung. Moderne Systeme können eingehende Dokumente automatisch analysieren, relevante Informationen extrahieren und strukturieren sowie Schadenfälle nach Risiko oder Komplexität klassifizieren. Besonders bei großen Schadenvolumina ermöglicht dies eine massive Beschleunigung der Bearbeitung.

Gleichzeitig lassen sich Betrugsmuster durch datenbasierte Modelle früher erkennen, was Versicherern hilft, Schadenkosten zu reduzieren und die Schadenquote zu stabilisieren.

Vergleich: KI-gestützte Prüfung vs. manuelle Schadenprüfung

Kriterium KI-gestützte Prüfung Manuelle Prüfung
Dokumentenanalyse Automatische Extraktion strukturierter Daten Manuelles Lesen und Übertragen
Bearbeitungsgeschwindigkeit Sekunden bis Minuten Stunden bis Tage
Skalierbarkeit Sehr hoch (parallel verarbeitbar) Stark personalabhängig
Betrugserkennung Muster- und Anomalie-Analyse Erfahrungsbasiert
Konsistenz Einheitliche Regeln und Modelle Unterschiedliche Bewertungen möglich
Governance-Risiken Nachvollziehbarkeit & Explainable AI (XAI) erforderlich Weniger algorithmische Risiken

KI unterstützt die Schadenbearbeitung nicht isoliert, sondern innerhalb des Prozesses.

Dokumente und Daten werden automatisch erkannt, klassifiziert und validiert. Auffälligkeiten werden identifiziert und Entscheidungsgrundlagen strukturiert bereitgestellt. Der Mehrwert entsteht dabei nicht durch einzelne KI-Funktionen, sondern durch deren Einbindung in den Workflow, also dort, wo Daten entstehen und verarbeitet werden.

Fazit: Digitale Schadenbearbeitung als Profitabilitätshebel

Daten, Dokumente und Rückmeldungen werden nicht mehr isoliert verarbeitet, sondern zentral im Prozess erfasst, validiert und direkt dem jeweiligen Schadenfall zugeordnet.

Dadurch entsteht erstmals ein durchgängiger, strukturierter Datenfluss entlang des gesamten Schadenprozesses.

Kurz gesagt: den Prozess strukturieren. Erst wenn Schadenprozesse als Workflow organisiert sind, entsteht Geschwindigkeit, Transparenz und echte Automatisierung, der Grundstein für eine datengetriebene, agile Versicherungsorganisation.

Häufige Fragen zur digitalen Schadenbearbeitung (FAQ)

Was ist digitale Schadenbearbeitung und wie unterscheidet sie sich von klassischer Prozessdigitalisierung?

Digitale Schadenbearbeitung automatisiert den gesamten End-to-End-Prozess ab der Schadenmeldung über Dokumentenprüfung, KI-gestützte Analyse bis zur optionalen Auszahlung. Im Unterschied zur klassischen Prozessdigitalisierung werden nicht nur einzelne Schritte digitalisiert, sondern der gesamte Workflow durchgängig, transparent und revisionssicher gestaltet.

Wie hoch ist das Einsparpotenzial durch digitale Schadenbearbeitung?

Versicherer reduzieren Personalaufwand und Durchlaufzeiten massiv. Praxisdaten zeigen: Bei 1.000 Standardfällen lässt sich der FTE-Aufwand von 15 auf bis zu 8 Mitarbeiter senken. Die Bearbeitungsdauer reduziert sich dabei oft um mehr als 50 % bei gleichzeitiger Senkung der Nachbearbeitungsquote auf unter 5 %.

Welche regulatorischen Anforderungen gelten für digitale Schadenprozesse?

Digitale Schadenbearbeitung muss DSGVO-konform sein, revisionssichere Audit-Trails führen, Rollen- und Rechtekonzepte umsetzen und KI-Entscheidungen nachvollziehbar dokumentieren. Alle Maßnahmen sichern Compliance, erleichtern Prüfungen durch Aufsichtsbehörden und integrieren sich nahtlos in bestehende Governance, Risk & Compliance (GRC)- oder Kontrollsysteme.

Wie lange dauert die Implementierung eines digitalen Schadenprozesses?

Die Einführung erfolgt stufenweise: Analyse der Ist-Prozesse, End-to-End-Prozessdesign, Tool-Auswahl und Integration, Pilotierung und Rollout. Typische Implementierungszeiten liegen zwischen 6 und 12 Monaten, abhängig von Prozessumfang, Systemlandschaft und Automatisierungsgrad.

Was ist Dunkelverarbeitung (Straight-Through Processing) und welchen Vorteil bietet sie?

Dunkelverarbeitung bezeichnet die vollautomatische Bearbeitung von Standardfällen ohne menschliches Eingreifen. Vorteile sind drastisch verkürzte Durchlaufzeiten, geringere Fehlerquoten, reduzierte Personalkosten und hohe Skalierbarkeit bei großen Schadenvolumina.

Mini-Glossar: Digitale Schadenbearbeitung für Versicherer

End-to-End-Automatisierung
Vollständige Digitalisierung des Schadenprozesses von der Meldung bis zur Auszahlung, ohne manuelle Eingriffe in Standardfällen.

Dunkelverarbeitung (Straight-Through Processing, STP)
Automatische Bearbeitung von Standard-Schadenfällen ohne menschliche Intervention, gesteuert durch Regeln und KI.

KI-gestützte Schadenprüfung
Einsatz von Künstlicher Intelligenz zur Analyse von Dokumenten, Klassifizierung von Schadenfällen und Betrugserkennung.

Audit-Trail
Lückenlose, revisionssichere Dokumentation aller Prozessschritte, Entscheidungen und Zugriffe im Schadenfall.

Regelbasierte Eskalation
Automatische Weiterleitung komplexer oder hochpreisiger Schäden an Sachbearbeiter oder Spezialisten-Teams gemäß definierten Kriterien.

Medienbruch
Unterbrechung des Datenflusses zwischen manuellen und digitalen Arbeitsschritten, die zu Verzögerungen oder Fehlern führt.

GRC-Integration
Verknüpfung der Schadenprozesse mit Governance-, Risk- und Compliance-Systemen zur Einhaltung regulatorischer Vorgaben.

Quellen           

GDV-Digitalisierung Schaden            https://www.gdv.de

McKinsey Claims Transformation   https://www.mckinsey.com

Accenture Insurance Claims             https://www.accenture.com

Deloitte Claims Automation               https://www2.deloitte.com