Stellen Sie sich einen Handwerksbetrieb vor, der eine Betriebshaftpflicht abschließen möchte. Früher bedeutete das: Formulare ausfüllen, Tätigkeiten und Umsatz eintragen, Nachweise per Post oder PDF nachreichen, auf Rückfragen warten. Bis der Antrag geprüft und die Police erstellt war, vergingen oft mehrere Wochen.

Heute klickt derselbe Kunde auf einen digitalen Abschlusslink, füllt das digitale Formular am Tablet aus, alle Daten werden automatisch überprüft und er unterschreibt elektronisch: die Police liegt binnen Stunden vor.

Dieser Artikel zeigt, wie Versicherer Online-Abschlussstrecken (TAA) erfolgreich einsetzen, Time-to-Policy verkürzen und Self-Service mit Hybrid-Journeys skalierbar verbinden: inklusive praxisnaher Use Cases mit messbaren Ergebnissen.

TAA (Tarifierung, Angebot, Abschluss) beschreibt den durchgängigen digitalen Vertriebsprozess von der Risikotarifierung über die Angebotserstellung bis zum rechtsverbindlichen Abschluss. Diese Transformation ist kein Zukunftsszenario: digitale End-to-End-Journeys werden zur skalierbaren Infrastruktur des Versicherungsvertriebs.

Serie: Digitale Vertriebstrecken (TAA) für Versicherungen

Das erwartet Sie in diesem Artikel:

Warum digitale Abschluss- und Vertriebsstrecken heute entscheidend sind

Digitale Abschlussstrecken sind automatisierte Vertriebs- und Policierungsprozesse, die von Tarifierung über Datenprüfung bis zur eSignatur reichen.

Die Anforderungen an Versicherer haben sich in den letzten Jahren drastisch verändert. Kunden erwarten schnelle, transparente und digital geführte Abschlussprozesse, die persönlich begleitet werden können, aber technisch unabhängig vom einzelnen Berater funktionieren.

Verbraucher möchten Beratung nicht mehr nur am Schreibtisch des Vermittlers erleben, sondern flexibel via Self-Service-Plattformen. Gleichzeitig steigt der Wettbewerbsdruck: InsurTechs und neue digitale Anbieter drängen auf den Markt und bieten sofort verfügbare, intuitiv bedienbare Services.

Was bedeutet das konkret für Policierung, Abschlussquoten und Durchlaufzeiten?

Genau das zeigt die Vorher/Nachher-Analyse:

Phase Vorher (traditionell) Nachher (digital) Nutzen / KPI
Kundenanfrage Telefonisch / E-Mail, manuelle Datenerfassung Self-Service, automatische Validierung 50–70 % Zeitersparnis
Bedarfsanalyse Persönliches Gespräch, PDF-Checklisten Guided Digital Journey, KI-unterstützte Analyse Fehlerquote ↓ 30 %
Angebotserstellung Manuelle Kalkulation, E-Mail-Ping-Pong Digitale Formulare + automatisierte PDFs Abschlussquote ↑ 25 %
Vertragsabschluss Physische Unterschrift, Postlauf Digitale Signatur, sofortige Policenbereitstellung Time-to-Policy ↓ 65 %
Audit-Trail & Geeignetheitsdokumentation Manuell, Ablage in Ordnern Automatisiertes Audit-Trail-System Compliance 100 %
Nachbetreuung / Upselling Telefon, Follow-Up E-Mail Digitale Angebote, Reminder, KI-Personalisierung Kundenbindung ↑ 20 %

Messrahmen: Zeitraum 4-8 Monate · Population: KMU-Policen (Haftpflicht/Inventar) · Methode: Vorher/Nachher Matching · Datenquellen: Forms-Logs, DMS, eSign, CRM · Reporting: Median + P90

Self-Service im Versicherungsvertrieb ermöglicht Kunden oder Vertriebspartnern, Abschlussstrecken eigenständig digital zu durchlaufen: bis zur Policierung. Diese Entwicklung führt nicht zu weiteren Insellösungen, sondern zu einem neuen Vertriebsstandard: digitale Vertriebstrecken als skalierbare Vertriebsinfrastruktur*.

*Digitale Vertriebsinfrastruktur verbindet Tarifierung, Risiko, Signaturen, Compliance und Policierung in einem skalierbaren Vertriebsworkflow.

Digitale Abschlussstrecke ohne durchgängigen Workflow

Problem: Versicherer digitalisieren einzelne Schritte (Formular, Signatur), aber nicht den Gesamtprozess. 

Ursache: Fragmentierte Systeme, manuelle Übergaben und fehlende End-to-End-Orchestrierung. 

Konsequenz: Lange Time-to-Policy, hohe Fehlerquoten und steigende Compliance-Risiken trotz „digitalem“ Auftritt.

Moderne Online-Abschlussstrecken (TAA): Die neue Benchmark im Vertriebsmodell

Moderne digitale Vertriebstrecken kombinieren Guided Journeys, Self-Service-Module und automatisierte Entscheidungen, um Policierung und Vertrieb kanalübergreifend zu beschleunigen. Damit entstehen skalierbare Prozesse für Makler, Vertrieb, Partner und Self-Service, unabhängig vom einzelnen Vermittler.

Vertrauen in digitale Journeys ist für Versicherer heute ein kritischer Erfolgsfaktor: Digitale Prozesse müssen die Erfahrungen persönlicher Beratung in puncto Transparenz und Nachvollziehbarkeit abbilden.

Vergleich: Klassischer Vertrieb vs. moderne digitale Journeys: Effizienz, Geschwindigkeit und Abschlussquoten im Blick

Um die neue Benchmark zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf den Unterschied zwischen klassischen Vertriebspfaden und skalierbaren digitalen Journeys.

Merkmal Traditioneller Vertrieb Moderne digitale Journeys Nutzen / ROI-Potenzial
Kunden-führung Face-to-Face, Papier- oder einfache PDF-Formulare Guided Journeys, Self-Service Reduzierte Abbruchrate, höhere Conversion
Abschlussdauer Tage bis Wochen Minuten bis Stunden Schnellere Time-to-Policy
Daten-integration Fragmentiert, manuell Zentral, automatisiert Bessere Entscheidungsgrundlage, weniger Fehler
Compliance Nachträglich geprüft Integrierte IDD-/DSGVO-Prüfung Reduziertes Haftungsrisiko

Der Unterschied liegt weniger im Kanal als in der Infrastruktur. Nicht der Berater wird ersetzt, sondern der Prozess wird skalierbar gemacht: kanalübergreifend, revisionssicher und automatisiert.

Nicht der Berater skaliert. Der Prozess tut es.
Vertiefung (End-to-End): Lead-to-Policy: Automatisiertes Routing, Underwriting und Policierung

End-to-End-Workflows: Effiziente Journeys von Lead bis Policierung

Digitale Abschlussstrecken haben sich von einfachen Online-Formularen hin zu vollständig integrierten End-to-End-Workflows entwickelt, die vom Lead über Risikoprüfung bis zur Policierung reichen. Dabei werden Vertriebs-, Underwriting- und Serviceprozesse nahtlos verknüpft, inklusive strukturierter Datenerfassung, automatisierter Bedarfsanalyse und Policen-Abschluss.

Moderne Prozesslösungen eliminieren Fehlerquellen, vermeiden Medienbrüche und unterstützen hybride Beratung, die Kombination aus digitaler Journey und persönlichem Kontakt. Solche Hybrid-Journeys verbinden digitale Abschlussstrecken mit optionaler persönlicher Interaktion, ohne den Prozessablauf zu unterbrechen oder zu verzögern.

Go-to-Market in Rekordzeit: Neue Versicherungsprodukte schneller launchen

Der erfolgreiche Markteintritt neuer Versicherungsprodukte hängt heute stark von digitalen Go-to-Market-Prozessen ab. Versicherer können Produktdefinition, Preisgestaltung und Vertrieb über flexible digitale Workflows steuern, wodurch Zeit- und Kostenaufwände deutlich reduziert werden.

Kombinierte digitale und persönliche Beratung sowie automatisierte Compliance-Checks sind entscheidend, um die Markteinführung neuer Produkte sowohl schnell als auch regulatorisch sicher zu gestalten. Damit wird der Vertrieb skalierbar: ohne zusätzliche Kapazitäten und ohne Compliance-Mehraufwand.
Vertiefung (Go-to-Market): Digitaler Go-to-Market: Freigaben, Versionierung, Audit-Trail und Rollout

Durch diese End-to-End-Digitalisierung der Go-to-Market-Journey können Versicherer:

  • Produkte schneller
    testen und anpassen
  • Hybrid-Journeys gezielt einsetzen,
    um Conversion zu maximieren
  • Compliance- und Auditpflichten
    automatisiert erfüllen
  • Kosten und Durchlaufzeiten
    messbar reduzieren
Digitale Vertriebstrecken werden zum Kern des Produktvertriebs, nicht nur eine Ergänzung.

Digitale Workflows & Schnittstellen: Effizienz und Skalierbarkeit sichern

Die technologische Basis moderner digitaler Vertriebstrecken besteht aus einem orchestrierten Zusammenspiel kombinierter digitaler Workflows. Moderne Plattformen für digitale Geschäftsprozesse, wie z. B. Paperfly, steuern Workflows dynamisch und bieten Versicherern die Flexibilität, schnell auf neue regulatorische Anforderungen zu reagieren.

Für Versicherungen bedeutet das: Effizienz, Compliance und Skalierbarkeit lassen sich nur erreichen, wenn alle Bausteine integriert arbeiten: ein Anbieter, ein durchgängiges SaaS-Ökosystem.

Übrigens: Digitale Workflows lassen sich direkt mit gängigen Bestands- und Maklersystemen wie msg-NOVA, SAP FS-RI, Guidewire, Acturis oder VHV-Maklerportal verbinden.

Reibungslose Unterlagenverwaltung in der digitalen Customer Journey

In vielen Versicherungen sind fehlende oder verspätete Unterlagen einer der größten Bremsklötze im Antrags- und Leistungsprozess. Moderne Plattformen zeigen, wie durchgängige digitale Dokumentenanforderungen heute aussehen: Interessenten oder Vertriebspartner laden Belege direkt hoch, Validierungen laufen automatisiert und Workflows stoßen Folgeschritte an. Sachbearbeiter greifen nur noch ein, wenn es wirklich nötig ist.

Ihr Ergebnis ist ein messbar schnellerer Abschluss und ein revisionssicherer Audit-Trail.

Vorher/Nachher: Digitale Dokumentenanforderung in Versicherungen

Prozessschritt Vorher: PDF & E-Mail Nachher: Digitale Dokumentenanforderung
Anforderung fehlender Unterlagen E-Mail vom Sachbearbeiter, keine Kontrolle über Eingang Automatisierter Workflow: Weblink für Kunden, Status wird getrackt
Upload / Übermittlung Anhänge per E-Mail, oft falsches Format Direkter Upload mit Format- und Vollständigkeitsprüfung
Validierung Manuelle Prüfung mit hohem Aufwand Regelbasierte Validierung, automatische Vorgangszuteilung
Ablage im DMS Manuelle Ablage, hohe Fehlerquote Automatische Archivierung inklusive Metadaten
Compliance Uneinheitlich, oft manuell gepflegt Vollständig, versionsgeführt und unveränderbar

Digitale Dokumentation & Signaturen: Effizienz und Compliance in einem Workflow

Online-Abschlussstrecken (TAA) erfordern mehr als nur digitale Formulare: Entscheidend ist eine maschinenlesbare, revisionssichere Dokumentation aller Vertriebsereignisse, kombiniert mit rechtsverbindlichen elektronischen Signaturen gemäß eIDAS.

Identitätsprüfung, Signaturlevel (EES/FES/QES), Zeitstempel, Hash-Werte und Audit-Logs werden automatisch im Workflow erzeugt und archiviert, sodass IDD-Pflichten, DSGVO-Nachweise und Beweiswerterhalt ohne manuelle Nacharbeit erfüllt werden (lesen Sie dazu mehr im Abschnitt „Compliance von Anfang an“).

Medienbruchfreie Makler-Journeys für schnellere Policierung

Auch die Digitalisierung von Makler- und Broker-Schnittstellen ist ein zentraler Hebel, um medienbruchfreie Abschlussstrecken und skalierbare Vertriebsprozesse zu realisieren. Maklerprozesse werden einfach direkt in die digitale Customer Journey eingebunden.

Für Versicherer bedeutet das konkret: geringere Bearbeitungszeiten, weniger manuelle Nacharbeit im Maklerprozess, schnellere Policierung und verbesserte Transparenz für Vermittler. Informationen über Angebote, Dokumente und Status können nahtlos geteilt werden.

Sobald Plattform und Schnittstellen laufen, entsteht der größte Wachstumshebel: Self-Service wird nicht mehr zum Zusatzkanal, sondern zum Multiplikator der gesamten Vertriebsleistung.

Paperfly als Orchestrator durchgängiger digitaler Vertriebstrecken

Paperfly wirkt dort, wo digitale Vertriebstrecken häufig scheitern: an Medienbrüchen zwischen Formular, Prüfung, Signatur und Archivierung. Die Plattform orchestriert Tarifierung, Datenerfassung, Signatur, Audit-Trail und Policierung in einem Workflow, ohne zusätzliche Komplexität in der IT-Landschaft.

Versicherer reduzieren manuelle Übergaben, steigern die First-Time-Right-Quote und erreichen skalierbare Time-to-Policy-Zeiten.

Self-Service für Policierung: Effizienz und Kundenzufriedenheit steigern

Self-Service ist kein Nice-to-have, sondern ein zentraler Bestandteil moderner Vertriebs- und Service-Strategien. Er erfüllt Kundenerwartungen an Geschwindigkeit und Verfügbarkeit und macht den Vertrieb von Versicherungen effizienter und skalierbarer.

Self-Service-Module sollten nicht isoliert gebaut werden. Erfolgreiche Implementierungen verknüpfen digitale Formulare, klare Validierungen, Echtzeit-Status-Updates und einfache Eskalationspfade zu Beratern. So schaffen Sie Raum für produktives Upselling.

Time-to-Policy halbiert: Self-Service-Erfolg bei einer mittelständischen Gewerbeversicherung

Wo Prozesse ins Stocken kamen:

  • Lange Bearbeitungszeiten bei Policen für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU).
  • Hoher Aufwand für manuelle Prüfung und Dokumentenmanagement.
  • Viele Rückfragen von Kunden, die Prozesse nicht verstehen.
  • Risiken von Fehlern bei der Datenvalidierung und der Einhaltung von Compliance-Vorgaben (IDD, DSGVO).

So wurden Hürden überwunden:

  • Einführung einer Self-Service-Journey mit digitalen Formularen, die Feldvalidierungen direkt beim Ausfüllen durchführen.
  • Validation für Pflichtfelder, Plausibilitätsprüfungen und sofortige Rückmeldung an den Kunden.
  • Elektronische Signaturen für rechtsgültige Abschlussprozesse.
  • Hybrid-Fallback: Bei komplexen Fällen oder Unsicherheiten können Kunden nahtlos zu einem Berater weitergeleitet werden.
  • Automatisierte Workflows für Dokumentation, Audit-Trails und interne Benachrichtigungen.

Messbarer Impact & Ergebnisse:

KPI Vorher Nachher Effekt
Time-to-Policy 7 Tage 3,5 Tage -50 %
First-Time-Right (FTR)* 68 % 92 % +24 Punkte
Support-Tickets / Monat 120 65 -46 %
Durchlaufzeit Compliance-Checks 2 Tage 0,5 Tage -75 %

Messrahmen: Zeitraum 4-6 Monate · Population: KMU-Policen (Haftpflicht/Inventar) · Methode: Vorher/Nachher-Matching · Datenquellen: Forms-Logs, DMS, eSign, CRM, Support-Tickets · Reporting: Median + P90 + Prozentuale Veränderung *First-Time-Right bedeutet, dass ein Versicherungsantrag im ersten Durchlauf vollständig, regelkonform und ohne Rückfragen verarbeitet werden kann.

Mit wachsender Automatisierung steigt jedoch eine zentrale Anforderung: Compliance muss durch Workflows sichergestellt werden, nicht durch nachgelagerte manuelle Prüfungen.

Vertiefung (Business-Impact): Digitale Abschlusszeiten – Time-to-Policy, Conversion und ROI messbar verbessern

Compliance von Anfang an: Digitale Journeys mit Audit-Trails

Die zunehmende Digitalisierung im Versicherungsvertrieb macht Compliance nicht einfacher, sondern zwingt Versicherer dazu, regulatorische Anforderungen wie IDD, DSGVO, BAIT und MaRisk von Beginn an in die digitalen Prozesse zu integrieren.

IDD-Audit bezeichnet die digitale Prüfung und Dokumentation aller regulatorischen Vertriebspflichten gemäß der Insurance Distribution Directive (EU).

Digitale Customer Journeys bieten die Chance, Pflichtprüfungen automatisiert und lückenlos zu dokumentieren: sowohl für die interne Qualitätssicherung als auch für externe Prüfungen durch Aufsichtsbehörden.

Durch die Integration von Audit-Trails und automatisierten Prüfungen können Versicherer:

  • Fehler in der Bedarfs- und Geeignetheitsprüfung gemäß IDD frühzeitig erkennen und vermeiden.
  • Lückenlose Nachweise für IDD-Pflichten bereitstellen und die Einhaltung datenschutzrechtlicher Vorgaben sicherstellen.
  • Compliance-Risiken systematisch reduzieren und gleichzeitig die Prozessgeschwindigkeit erhöhen.

Compliance in digitalen Versicherungs-Journeys

Pflicht / Regelung Umsetzung digital Automatisierung Kontrolle / Nachweis
IDD-Beratungs­dokumentation Guided Journeys, Pflichtfelder Pflichtfelder erzwingen vollständige Dokumentation Audit-Trail*, interne Reports
DSGVO / Datenschutz Verschlüsselte Kundendaten, digitale Einwilligungen Consent-Check, automatische Protokollierung Prüfsummen, Reporting
BAIT / MaRisk Interne Prozesskontrollen, Risikoabschätzungen Workflow-gesteuerte Prüfungen Audit-Logs, Prozessmonitoring
eSignaturen & Dokumenten-Workflows Digitale Signatur direkt im Formular Automatische Ablage im DMS, Versionierung Vollständige Nachvollziehbarkeit & Compliance-Nachweis

IDD Art. 20/23 + DSGVO Art. 5/30: Digitale Pflichtfelder und auditierte Speicherung reduzieren Haftungsrisiken um 50-70 % und verkürzen Prüfzeiten im Streitfall von 3 h auf < 45 Minuten.

Ein Audit-Trail ist ein manipulationssicheres Protokoll aller Prozess- und Signaturereignisse, das die Beweisführung und Compliance nachweisbar macht.

Damit wandert Compliance vom Kostenblock in den ROI-Bereich: Jede automatisierte Prüfstrecke reduziert Prüfzeiten, Haftungsrisiken und OPEX (Operational Expenditure) spürbar.

Beispiele einer „Wenn → Dann“-Logik im digitalen Vertriebsworkflow

  • Wenn Dokumente oder Angaben fehlen, dann automatische Nachforderung vor Abschluss.
  • Wenn Risikoschwellen überschritten werden, dann Weiterleitung an Underwriting.
  • Wenn Abbruch erkannt wird, dann Reminder oder Hybrid-Fallback zum Berater.

KPIs & Erfolgsfaktoren: So messen Versicherer digitale Abschlussstrecken

Sind die Grundlagen etabliert, verändert Technologie nicht nur Geschwindigkeit, sondern auch Entscheidungen in Underwriting, Risiko und Pricing. Die Messung der richtigen KPIs ist entscheidend, um den Erfolg digitaler Abschluss- und Policierungsprozesse zu bewerten und Optimierungspotenziale zu identifizieren.

Die Studie Deloitte (2023): Digital Insurance Maturity - Trust & Customer Experience im Versicherungsvertrieb zeigt, dass Vertrauen und einfache digitale Prozesse direkte Auswirkungen auf Abschlussquoten und First-Time-Right-Raten haben.

Ergänzend weist EPAM (2022): Insurance Digitalization Benchmark - Datenqualität in Underwriting & Policierung darauf hin, dass fehlerhafte oder unvollständige Risikodaten die Bearbeitungsdauer in Policierung und Underwriting massiv verlängern.

Kostenblock Traditionell Digital
Policierungskosten / Fall 40–120 € 12–30 €
Rückfragenkosten 18–40 € / Fall < 5 € / Fall
Compliance-Prüfkosten 1–3 h Aufwand < 45 min

Die Effekte zeigen sich nicht nur in Geschwindigkeit, sondern auch in messbar geringeren Policierungs- und Compliance-Kosten pro Fall.

Quelle: Deloitte (2023); EPAM (2022)

Erfolgsbeispiel aus dem Vertrieb: Online-Abschlussstrecken in Aktion

Digitale Abschlussstrecken zeigen ihren Effekt in skalierbaren Vertriebsprozessen über mehrere Kanäle hinweg (Makler, Ausschließlichkeitsvertrieb, Partnergeschäft, Self-Service). Das Ergebnis: First-Time-Right (FTR) statt Rückfragen, messbar bessere Time-to-Policy und revisionssichere Policierung „Out-of-the-box“.

Sowohl im Privatkundenbereich als auch im Gewerbeversicherungssegment können repetitive Prozesse automatisiert, Fehler reduziert und Compliance-Pflichten zuverlässig erfüllt werden.

Vorher–Nachher Case Study: Time-to-Policy im Gewerbe-Segment (KMU)

Versicherer, die digitale End-to-End-Journeys implementieren, berichten von drastisch reduzierten Bearbeitungszeiten: der klassische Time-to-Policy-Indikator zeigt, wie schnell ein Antrag von der Einreichung bis zur Policierung abgeschlossen wird.

Digitaler Effekt: Policierung in Stunden statt Tagen möglich

Prozessbereich Ausgangslage „Vorher“ Digitale Lösung Ergebnis „Nachher“ KPIs
Antragsaufnahme Papierformulare, Post, Fax Digitale Formulare mit Online-Upload Bearbeitung sofort digital, keine Medienbrüche Time-to-Policy: 5 Tage → 48 Stunden
Validierung & Prüfung Manuell, wiederholte Rückfragen Automatisierte Validierung + Prüfroutinen Weniger Rückfragen, schnellere Freigabe First-Time-Right: 65 % → 92 %
Unterschrift / Abschluss Persönlicher Termin erforderlich E-Signatur, Hybrid-Fallback Abschlüsse online oder vor Ort, flexibel Abschlussquote: 78 % → 91 %
Dokumentation & Audit Manuell archiviert, Compliance-Risiken Digitales DMS + Audit-Trail Lückenlose Dokumentation, regulatorisch sauber Prüfaufwand: 3 h → 0,5 h

Messrahmen: Zeitraum 6 Monate · Population: Gewerbe-Policen (KMU-Basisprodukte) · Methode: Pre-/Post-Go-Live Matching · Datenquellen: QuickForm-Logs, DMS, eSign, CRM · Reporting: Median + P90

Self-Service beschleunigt damit nicht nur Kundenerlebnis, sondern erhöht die Abschlusskapazität ohne zusätzliche FTE (Full-Time Equivalent) und reduziert gleichzeitig Compliance-Risiken.

Fazit: Effizienz, Personalisierung & smarte Vertriebstrecken

Die Versicherungsbranche befindet sich in einer Phase tiefgreifender Transformation. Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI), Echtzeitdatenanalyse und dynamische Personalisierung treiben Effizienz und Skalierbarkeit in Policierung und Vertrieb erheblich voran.

Diese Entwicklungen verändert nicht das Verhalten einzelner Vertriebskanäle, sondern die Infrastruktur des Vertriebs: Klassische Workflows werden zu automatisierten, KI-gestützten End-to-End-Abschlussstrecken, die kanalübergreifend funktionieren: von Makler- und Ausschließlichkeitsvertrieb über Partnergeschäft bis Self-Service.

Jetzt Pilot starten: mit messbarem Ergebnis

Vergleichen Sie den bisherigen Ablauf direkt mit einer durchgängigen digitalen Journey: vom Antrag bis zur Policierung. Paperfly macht Unterschiede bei Geschwindigkeit, Nachfragen und Medienbrüchen unmittelbar sichtbar.

Digitale Abschlussstrecken: Praxisnahe Antworten für Entscheider (FAQ)

Warum werden digitale Vertriebstrecken (TAA) für Versicherer zum Wettbewerbsfaktor?

Digitale Vertriebstrecken verbinden Tarifierung, Angebot und Abschluss in einem durchgängigen, automatisierten Workflow. Versicherer verkürzen damit die Time-to-Policy deutlich, reduzieren manuelle Prüfaufwände und steigern Abschlussquoten. Gleichzeitig sichern integrierte Audit-Trails und Validierungen regulatorische Anforderungen wie IDD (Versicherungsvertriebsrichtlinie) und DSGVO ab.

Wie funktionieren digitale Abschlussstrecken End-to-End?
Digitale End-to-End-Abschlussstrecken umfassen alle Schritte von der Lead-Erfassung über strukturierte Risikodatenaufnahme, Tarif-/Deckungslogik und Angebotsgenerierung bis zum rechtsverbindlichen, digital signierten Policenabschluss mit revisionssicherer Archivierung.

Wie erfüllen digitale Journeys die IDD-Pflicht?

Digitale Vertriebstrecken erfüllen die IDD-Pflicht (EU-Regeln für Versicherungsvertrieb) durch Pflichtfelder, automatisierte Geeignetheitsprüfungen und Audit-Trail. KI-gestützte Validierung sowie eSignatur-Workflows dokumentieren jeden Schritt revisionssicher und reduzieren Haftungsrisiken um 50-70 %.

Wie kann Self-Service den Vertrieb beschleunigen?

Self-Service-Portale ermöglichen Kunden eigenständig Angebote anzufordern, Formulare auszufüllen und Policen digital abzuschließen. Dies reduziert Support-Anfragen, verkürzt Time-to-Policy und erlaubt dem Vertrieb, sich auf weitere Produkte zu konzentrieren, während die digitale Journey nahtlos weiterläuft.

Welche Rolle spielt Hybridvertrieb / Hybrid-Journey?

Hybridvertrieb nutzt digitale Customer Journeys, die bei Bedarf durch Berater ergänzt werden: der Prozess bleibt dabei vollständig digital und revisionssicher. Sie stellt sicher, dass Kunden Vertrauen aufbauen, während digitale Prozesse Effizienz und Compliance sichern, und verbindet Best Practices aus persönlicher Beratung und digitaler Automatisierung.

Wie lässt sich die Time-to-Policy verkürzen?

Time-to-Policy verkürzt sich durch digitale Formulare, Validierung, digitale Signaturen und automatisierte Workflows erheblich, oft um bis zu 65 %. Jeder Schritt vom Angebot bis zur Policen-Erstellung wird automatisiert, wodurch Versicherer effizienter arbeiten und Kunden schneller Policen erhalten.

Wie wird regulatorische Dokumentation effizient integriert?

Regulatorische Dokumentation wird automatisch durch Audit-Trails erstellt, revisionssicher gespeichert und bei Bedarf exportiert. So können Versicherer Pflichtinformationen ohne manuellen Aufwand erfüllen, gleichzeitig Compliance nach IDD, DSGVO und internen Richtlinien nachweisen.

Was ist eine digitale Policierung?

Digitale Policierung umfasst die automatisierte Erstellung, Signierung und Archivierung von Versicherungsverträgen inklusive aller regulatorischen Nachweise. Es ist der vollständig automatisierte Online-Abschlussprozess einer Versicherungspolice, inklusive Risikoprüfung, Signatur und Archivierung.

Mini-Glossar: Zentrale Begriffe zu digitalen Abschlussstrecken

TAA (Tarifierung–Angebot–Abschluss) = Durchgängiger digitaler Vertriebsprozess von Risikobewertung bis Policierung. 

Time-to-Policy = Zeitspanne vom Antrag bis zur rechtsgültigen Policenerstellung. 

Audit-Trail = Manipulationssicheres Protokoll aller Prozess- und Signaturereignisse. 

First-Time-Right (FTR) = Anteil der Vorgänge, die ohne Rückfragen oder Nachbearbeitung abgeschlossen werden. 

Hybrid-Journey = Kombination aus digitaler Abschlussstrecke und optionaler persönlicher Beratung.

Quellen:

Quelle 1: https://www.deloitte.com/de/de/Industries/insurance/research/digital-trust-in-insurance.html

Quelle 2: https://www.epam.com/content/dam/epam/campaigns/digital-modernization-in-the-insurance-industry/digital_modernization_in_the_insurance_industry.pdf