Stellen Sie sich vor: Ein langjähriger Kunde kündigt seinen Energievertrag und verschwindet spurlos in der Flut der Vergleichsportale. Für viele Energieversorger ist das Alltag, aber jeder verlorene Kunde bedeutet Umsatzeinbußen.

Doch was, wenn Sie genau in diesem Moment automatisiert, personalisiert und ohne aufwändige Registrierung auf den Kunden zugehen könnten und ihn direkt zurückgewinnen?

Was machen Digitale Winback-Workflows genau möglich? Sie erkennen Abwanderungstrigger in Echtzeit, segmentieren Kunden nach Relevanz, starten Value-first Kontaktstrecken und führen Entscheidungen medienbruchfrei durch. Self-Service sorgt dabei für maximale Conversion und minimalen Abbrüchen.

So sieht der optimale Winback-Weg für den Kunden aus (in 20 Sekunden)

  1. Kunde kündigt → Kündigung wird automatisch als Trigger erkannt.
  2. Kunde erhält SMS / E-Mail mit einem Workflow-Link.
  3. Kunde klickt → wählt eine Option → bestätigt direkt im gleichen Flow.
  4. Ergebnis landet als Vorgang im Backoffice: Standardfall automatisch, Sonderfall als Task mit Frist.

In diesem Artikel zeigen wir, wie Energieversorger Kundenrückgewinnung systematisch als klar definierter Workflow implementieren können. Von Trigger über Segmentierung, Value-first Angebote, Entscheidung bis hin zu medienbruchfreiem Abschluss: wir erläutern Best Practices, typische Fallstricke und praxisnahe Ansätze, um verlorene Kunden wieder zurückzugewinnen.

Serie: Winback als Workflow für Energieversorger

Das erwartet Sie in diesem Artikel:

Warum Kundenrückgewinnung für EVUs entscheidend ist

Energieversorgungsunternehmen (EVUs) sehen sich aktuell mit einer hohen Wechselbereitschaft ihrer Kunden konfrontiert, verstärkt durch Vergleichsportale. Jeder Kunde der abwandert verursacht finanzielle Verluste, die oft höher sind als die Kosten für gezielte Reaktivierungsmaßnahmen.

Kurzfristige Lockmittel wie Wechselboni oder Prämien führen kaum zu nachhaltiger Kundenbindung, da preisgetriebene Kunden den Anbieter weiterhin als austauschbar wahrnehmen. Effektive Rückgewinnung erfordert daher personalisierte, wertschätzende Interaktionen, die die Menschen hinter den Zählern erkennen und individuelle Bedürfnisse adressieren.

Die Wechselaktivität ist hoch: Die Bundesnetzagentur berichtet für 2024 neue Höchststände bei Lieferantenwechseln: rund 7,1 Mio. Strom- und 2,2 Mio. Gaskunden wechselten den Anbieter (jeweils deutlich mehr als 2023). Das erhöht den Druck, Kündigungen nicht nur zu verwalten, sondern Rückgewinnung systematisch zu standardisieren und zu skalieren.

Zielbild: Winback als ausführbarer Workflow

Ein effizienter Winback-Prozess läuft nicht als Einzelfall, sondern als klar definierter Workflow. Jeder Abwanderungs-Trigger aktiviert bei Bedarf die Segmentierung der Kunden (z. B. „preisgetriebene Kündiger“ und „Service-/Frustkündiger“) und startet automatisch eine Value-first Kontaktstrecke.

Standardfälle werden abgearbeitet, während Sonderfälle regelbasiert an die zuständigen Mitarbeiter weitergeleitet werden.

  • „End-to-End“ bedeutet dabei mehr als eine Kampagne zu starten. Es umfasst die komplette operative Umsetzung: Entscheidungen treffen, Angebote zustellen, Abschlüsse ermöglichen, Ergebnisse protokollieren und KPIs auswerten.
  • Digitale Self-Service-Lösungen (ohne Registrierung oder Portalzwang) erhöhen die Conversion zusätzlich, da Kunden direkt und ohne Hürden reagieren können.
Vertiefung (Praxis): Winback-Workflow im EVU: Zustellung, Routing und Abschluss operativ umsetzen

End-to-End Winback-Workflow im Überblick

Ein End-to-End Winback-Workflow ermöglicht EVUs, Rückgewinnung systematisch und effizient zu gestalten. Die Prozesskette umfasst dabei fünf Schritte: Trigger, Segmentierung, Value-first Strecke, Entscheidung und Abschluss.

Workflow-Check: Schritte und Ziele für die Kundenrückgewinnung

Schritt Was passiert konkret? Kunden-Kontakt Paperfly-Mechanik
1. Trigger Kündigung wird automatisch erkannt und startet einen Winback-Vorgang. Eingang Workflow-Start
2. Segmentierung Regelbasierte Einordnung: z. B. Preis vs. Service / Frust Indirekt (System wählt Kanal: E-Mail, SMS, Outbound, Brief mit QR) Regeln, Routing-Entscheidung, Pflichtdatenchecks
3. Value-first Strecke Kontaktstrecke mit klarem Mehrwert und 2-3 Handlungs-aufforderungen (wie etwa Annehmen oder Alternative wählen). Personalisierter Self-Service-Link Link-basierte Journey, Varianten nach Segment
4. Entscheidung & Routing Kunde wählt Option: Standardfall läuft automatisch, Sonderfall wird als Task angelegt. Self-Service führt zur Entscheidung Statuswechsel
5. Abschluss (One-Flow) Rückkehr wird im selben Flow finalisiert: Bestätigung, ggf. Tarif-/ Vertragsfortführung Abschluss Abschlussstrecke

So kommt der Workflow zum Kunden

Ein Winback-Workflow steht und fällt mit der Zustellung. Der „Self-Service-Workflow“ ist der ausführbare Prozess: Kunde klickt, trifft eine Entscheidung und bestätigt.

Zustellweg 1: E-Mail
Kündigung wird erkannt: der Workflow versendet automatisch eine E-Mail mit personalisiertem Link. Der Link führt direkt zur Auswahl: „Annehmen“ oder „Alternative“.

Zustellweg 2: SMS
Für kurze Reaktionszeiten: SMS mit Link und einer klaren „Call to Action“-Zeile. Besonders sinnvoll für Segmente mit hoher Wechselwahrscheinlichkeit.

Zustellweg 3: Outbound und Link-Follow-up
Im Outbound kontaktiert das EVU den Kunden kurz, klärt den Kündigungsgrund und übermittelt anschließend den Self-Service-Link zur Bestätigung. (damit der Abschluss nicht „im Telefonat hängen bleibt“ und in den gleichen Workflow führt).

Zustellweg 4: Brief / Postkarte mit QR-Code
Wenn keine belastbaren digitalen Kontaktdaten vorliegen, wird der Link als QR-Code zugestellt: mit kurzer Anweisung „Scannen, Angebot prüfen, Entscheidung bestätigen“.

Fallback-Regeln (damit Fälle nicht „still sterben“)

  • Unzustellbar (E-Mail unzustellbar / fehlende Nummer): automatischer Backoffice-Task „Kontaktdaten prüfen / alternativen Kanal wählen“.
  • Keine Reaktion nach X Tagen: automatischer Reminder oder Wechsel in Outbound.
  • Sonderfälle (Rückfrage / unklar): Task mit Eskalation statt manueller Weiterleitung.
Paperfly macht aus der Kündigung einen Vorgang mit Status, Regeln und Verantwortlichkeiten. Der Kunde erhält einen Link zum Workflow, trifft eine Entscheidung und schließt im selben Flow ab. Automatisiert und in Echtzeit gesteuert.

Segmentierung & Trigger: womit Sie starten

Für Pilotprojekte empfiehlt sich, zunächst 1-2 Segmente zu definieren, z. B. „preisgetriebene Kündiger“ und „Service-/Frustkündiger“. Kriterien wie Vertragswert, Abwanderungsgrund oder Kontaktfähigkeit lassen sich operationalisieren, ohne dass ein aufwändiges „Data-Science“-Projekt nötig ist. Die Segmentierung ermöglicht ein gezieltes Value-First-Messaging, das Relevanz schafft und die Conversion erhöht.

Mini-How-to: Pilot-Segmentierung

  1. Identifizieren Sie die relevantesten Abwanderungssignale und definieren Sie 1-2 Segmente für den Pilot (z. B. Preisgetriebene vs. Service-Kündiger)
  2. Legen Sie automatische Trigger-Regeln für Standardfälle fest und richten Sie eine Eskalationslogik für Sonderfälle ein
  3. Starten Sie die Value-first Kontaktstrecken

Zwei Segment-Pfade: „Frust verstanden“ vs. „Bonus 50 €“

Nicht jeder Kündiger reagiert auf das gleiche Angebot. Für den Pilot reichen zwei Pfade, die klar unterschiedliche Motive adressieren:

Segment A: Service-/Frustkündiger („Frust verstanden“)
  • Typische Signale: Beschwerde- / Ticket-Historie, wiederholte Rückfragen, negative Kontaktgründe, Rechnungs- / Zähler-Themen, hoher Servicekontakt.
  • Ziel: Reibung rausnehmen, Ursache lösen, Rückkehr ohne Rabatt-Spirale.
Segment B: Preisgetriebene Kündiger („Bonus 50 €“)
  • Typische Signale: Kündigungsgrund „Preis“, Portal-Wechsel, kurze Vertragsdauer, geringe Interaktionshistorie.
  • Ziel: schnelle, einfache Entscheidung mit klarer monetärer Logik.

Value-first Kontaktstrecke: Angebote, Timing, Kanäle

Eine Value-first Kontaktstrecke priorisiert Mehrwert über reine Rabatte und adressiert Kunden direkt und effizient. Tag-genaues Sequencing stellt sicher, dass Angebote relevant und zeitnah übermittelt werden, z. B.:

  • konkretes Angebot
    mit Entscheidungsoption Tag 0,
  • Reminder mit Alternativen
    an Tag 4 und
  • Abschluss / Feedback
    an Tag 7.
Kundenrückgewinnung: Return-Rate in drei Wochen um bis zu 45% steigern
Vertiefung (Strategie): Value-first Winback im EVU: Angebotslogik, Timing und Entscheidungsdesign

Entscheidung & Routing: Standardfälle vs. Sonderfälle

Effektives Routing im Winback-Workflow unterscheidet klar zwischen Standardfällen und Sonderfällen. Standardfälle, bei denen Angebote direkt angenommen werden, laufen automatisch durch die Abschlussstrecke.

Sonderfälle, wie Rückfragen oder unklare Kontaktfähigkeit, werden an das Backoffice weitergeleitet und unterliegen klar definierten Fristen und Eskalationsregeln. Durch die standardisierte Entscheidungslogik können EVUs die Prozesssicherheit erhöhen, Ressourcen effizient nutzen und gleichzeitig Sonderfälle gezielt steuern.

Kernpunkte des Entscheidungs- und Eskalationsprozesses:

  • Standardfall: Angebot akzeptiert → automatisch durch die Abschlussstrecke
  • Sonderfall: Rückfrage → Backoffice-Task mit Frist an zuständige Rolle
  • Regelbasierte Entscheidungen: jede Eingabe erzeugt eine definierte Aktion

Wo stehen Sie? Winback-Reifegrad im EVU (Quick-Check)

Stufe 1: Kampagne & Einzelfall (reaktiv)

Winback ist eine Aktion (Mailing / Outbound), ohne klare Prozesskette. Kündigungen werden manuell erkannt, Sonderfälle erzeugen Ticket-Chaos.

Typische Signale: Portal-Zwang, Kontaktaufnahme durch Hotline, viele Touchpoints je Fall, lange Liegezeiten, unklare Verantwortlichkeiten.

Messbar an: niedriger Automationsquote, hoher Cost-per-Winback.

Stufe 2: Teil-Workflow (standardisiert, aber mit Medienbrüchen)

Kündigung löst eine definierte Kontaktstrecke aus, Routing existiert, aber Abschluss ist nicht durchgängig im Flow integriert. Sonderfälle werden zwar erkannt, aber noch nicht sauber eskaliert.

Typische Signale: bessere Rückgewinnungsrate in einzelnen Segmenten, jedoch viele Absprünge zum Schluss.

Messbar an: sinkende Touchpoints, aber weiterhin hohe Abbrüche im letzten Schritt.

Stufe 3: End-to-End Winback-Workflow (operativ skalierbar)

Kündigung wird als Trigger automatisch erkannt, Kunden werden bei Bedarf segmentiert, Value-first Angebote werden regelbasiert ausgespielt und der Abschluss erfolgt ohne Medienbruch. Standardfälle laufen automatisiert, Sonderfälle werden fristbasiert eskaliert.

Typische Signale: One-Flow-Abschluss, klarer KPI-Messrahmen, kontinuierliche Optimierung.

Messbar an: hohe Automationsquote der Standardfälle, niedrigere Cost-per-Winback, deutlich kürzere Time-to-Reactivation.

Abschluss: Rückkehr ohne letzten Medienbruch

Viele Kundenrückgewinnungsversuche scheitern am letzten Schritt, weil der Abschluss nicht direkt im Workflow stattfindet. Medienbrüche, etwa die Aufforderung, sich einzuloggen, führen zu hohen Abbruchraten. Es geht um die Möglichkeit, dass Entscheidung, Bestätigung und Nachweis in einem durchgängigen Prozess erfolgen.

Dieser „One Flow“-Ansatz reduziert Abbrüche deutlich und steigert die Return-Rate messbar. In der Praxis sinken Abbrüche am letzten Schritt häufig deutlich, wenn Bestätigung und Abschluss im gleichen Flow möglich sind.

Abschluss ohne Medienbruch: Kernprinzipien für den letzten Schritt

Der letzte Schritt im Winback-Workflow entscheidet über den Erfolg. Um Abbrüche zu vermeiden, sollten folgende Prinzipien beachtet werden:

  • Kein Abschluss „woanders“: Wenn der Kunde nach dem Klick ins Portal muss, anrufen soll oder ein Formular nachreichen muss, brechen viele ab. Ziel ist: Annehmen → Bestätigung direkt im Self-Service, ohne Umwege.
  • One Flow: Entscheidung → Bestätigung → Nachweis: Die vollständige Prozesskette im Self-Service reduziert Reibungsverluste, sichert den Audit-Trail und steigert die Return-Rate messbar.

Paperfly: Abschluss im selben Flow
Mit Paperfly lässt sich der Abschluss direkt in die Winback-Strecke integrieren: Der Kunde trifft seine Entscheidung im durchgängigen Self-Service, bestätigt die Rückkehr und schließt den Vorgang ohne Portal, Hotline oder „Papier“ ab. Für EVUs reduziert das Abbrüche, verhindert Nacharbeit und macht den Abschluss revisionssicher nachvollziehbar.

So wird der Abschluss operativ „durchgängig“:

  • Workflow-basierter One-Flow-Abschluss: Entscheidung → Bestätigung → Nachweis in einer Strecke.
  • Statusmodell & Routing: Annahme erzeugt automatisch den passenden Folgeprozess (z. B. Vertragsfortführung / Tarifwechsel) und weist Aufgaben regelbasiert zu.
  • Audit-Trail im Abschluss-Schritt: Jede Annahme / Änderung wird mit Zeitpunkt, Kanal und Version protokolliert: revisionssicher, auswertbar, nachweisbar.
  • Abbruch-Reduktion: Kein Login, kein Formularbruch, klare Entscheidung (Annehmen / Alternative wählen / Rückruf).

Micro-ROI: -10-30 % Abbrüche, wenn der Abschluss nicht aus dem Workflow fällt.

Use Case: Winback-Pilot in einem EVU (Energieversorgungsunternehmen)

Ausgangslage (vor dem Workflow):
Ein regionales EVU bearbeitet Kündigungen überwiegend manuell. Rückgewinnung erfolgt als Einzelaktion (E-Mail / Outbound), Sonderfälle erzeugen Ticket-Weitergaben, und der Abschluss fällt häufig aus dem Prozess heraus.

Ziel: Kündigungen als Trigger automatisiert verarbeiten, 1-2 Segmente priorisieren (z. B. preisgetriebene Kündiger vs. Service-/Frustkündiger), Standardfälle End-to-End abwickeln und Sonderfälle fristbasiert eskalieren.

Pilot-Setup (Scope):

  • Trigger: Kündigungseingang (CRM / Abrechnung) → Workflow-Start
  • Segmente: 2 Segmente + Value- / Prioritätsklasse des Kunden
  • Kontaktstrecke: Tag 0 / 4 / 7 mit klaren Handlungsaufforderungen (Annehmen / Alternative / Rückruf)
  • Routing: Standardfall (Annahme) automatisch; Sonderfall (Rückfrage / unklare Kontaktfähigkeit) als Backoffice-Task mit Frist und Eskalation

Typische Ergebnisse (als realistische Zielkorridore, segmentabhängig):

  • Return-Rate: +5 bis +12 Prozentpunkte (v. a. in „preisgetrieben“ mit hoher Erreichbarkeit)
  • Touchpoints: 2-3 statt 5-8 Kontakte je Fall
  • Automationsquote Standardfälle: 40-70 % im Pilot, 60-85 % nach Skalierung
  • Nacharbeit/Abbrüche: spürbar niedriger, weil Abschluss und Nachweis nicht aus dem Flow fallen

Ihr KPI-Messrahmen: Was Wirkung beweist

Um die Wirkung wirklich nachzuweisen, sollten KPIs segmentiert gemessen werden. Beispielsweise lässt sich analysieren, welche Kundensegmente auf bestimmte Value-first Angebote besonders gut reagieren oder wie sich unterschiedliche Kontaktstrecken auf Time-to-Reactivation auswirken.

KPI-Monitoring: So messen EVUs den Erfolg der Kundenrückgewinnung

KPI Benchmark Pilotziel Wirkung
Return-Rate 5-10 % ohne Workflow 15-20 % +5-12 Prozentpunkte Reaktivierungen (segmentabhängig)
Cost-per-Winback 80-120 € pro Kunde (manuell) 20-30 € Starke Reduzierung der Kosten durch Automatisierung & Self-Service
Time-to-Reactivation 14-21 Tage (Median) 0-7 Tage Schnellere Rückkehr → Cashflow & Kundenwert erhöhen
Touchpoints je Fall 5-8 Kontakte 1-2 Kontakte Effizienzsteigerung durch klaren Ablauf & Eskalationslogik
Automationsquote Standardfälle 0-30 % 40-70 % (Pilot),
60-85 % (Skalierung)
Weniger manuelles Nachfassen, höhere Prozessstabilität

Messrahmen Kundenrückgewinnung: Zeitraum: 12 Wochen Pilot + 6-12 Monate · Population: EVU-Kündigungen mit erreichbarem Kanal, segmentiert nach Grund & Kundenwert · Methode: Vorher/Nachher je Segment · Datenquellen: Workflow-Logs, CRM, Vertrags-/Abrechnung, Consent/Audit · Ausschlüsse: fehlende ID/Kontakt, Rechts-/ Beschwerdefälle · Reporting: Pilot wöchentlich, danach monatlich (Median, P90, %-Delta).

Failure Patterns & Gegenmaßnahmen

Viele Maßnahmen zur Kundenrückgewinnung scheitern an wiederkehrenden Failure Patterns, die die Effektivität stark einschränken. Portalzwang, fehlende Eskalationslogik oder unvollständige Nachweise führen zu Abbrüchen oder Verzögerungen. Das Verständnis dieser Muster ist entscheidend, um Prozesse operativ stabil, messbar und skalierbar zu gestalten.

Typische Anti-Patterns in 3 Sätzen

1. Fehlende Eskalationslogik

Typisches Muster: Sonderfälle bleiben unklar und werden manuell weitergeleitet.

Ursache: Keine definierten Fristen, Rollen oder Statusmodelle im Workflow.

Folge: Liegezeiten, verzögerte Reaktivierungen, ineffiziente Ressourcennutzung.

2. Abschluss fällt aus dem Flow (kein One-Flow)

Typisches Muster: Kunden klicken das Angebot, sollen dann aber ins Portal wechseln, anrufen oder ein Formular nachreichen, um wirklich zurückzukehren.

Ursache: Der Abschlussprozess (Tarif- / Vertragsfortführung, Bestätigung) ist nicht in die Link-Strecke integriert, sondern hängt an getrennten Systemen.

Folge: Hohe Abbruchrate im letzten Schritt, mehr Nacharbeit im Backoffice, geringe messbare Wirkung trotz guter Angebote.

Wann Winback-Workflows wirklich funktionieren

Geeignet, wenn …

  • Kündigungen zeitnah als Trigger erkannt werden und ein erreichbarer Kontaktkanal (E-Mail / SMS / Outbound) vorliegt.
  • Abschluss, Bestätigung und Nachweis ohne Portal- und Medienbruch in einem Flow möglich sind.

Nicht geeignet bzw. zuerst Voraussetzungen schaffen, wenn …

  • Kündigungsgründe / Kundenzuordnung nicht verlässlich sind (schlechte Datenqualität, keine Erreichbarkeit).
  • Der Abschluss zwingend über getrennte Systeme / Prozesse läuft und der Kunde aus dem Flow herausfällt (Portalzwang, Papier, Hotline als Pflichtpfad).
  • Rechtliche / operative Sonderfälle (z. B. laufende Beschwerden / Rechtsfälle, Sperrvermerke) und dadurch Standardisierung kaum möglich ist.

Zusammenfassung & Takeaways

Die nachhaltige Rückgewinnung von Kunden im EVU ist nur möglich, wenn sie als klar strukturierter, digitaler End-to-End Workflow umgesetzt wird. Einzelaktionen führen zu Ticket-Chaos, Abbrüchen und ineffizientem Ressourceneinsatz. Automatisierte Trigger, segmentierte Value-first Kontaktstrecken und medienbruchfreie Abschlussstrecken bilden die Grundlage für messbare Ergebnisse.

Abschließend gilt: EVUs, die digitale Winback-Workflows konsequent implementieren, verbinden Effizienz, Kundenzufriedenheit und wirtschaftlichen Erfolg und gewinnen abwanderungsbereite Kunden wieder zurück, ohne die operative Belastung zu erhöhen.

Nächster Schritt: Winback-Workflow als Pilot aufsetzen

Wenn Sie Ihre Winback-Abbrüche reduzieren und die Time-to-Reactivation verkürzen wollen, zeigen wir Ihnen in einer kurzen Demo, wie ein EVU-Winback-Workflow als End-to-End-Strecke umgesetzt wird:

Kündigung als Trigger → Value-first Kontaktstrecke → Abschluss.

Auf Wunsch skizzieren wir auch ein Pilot-Setup (12 Wochen) inkl. KPI-Set und Messrahmen für Ihren Bestand.

Häufige Fragen (FAQ) zur Kundenrückgewinnung im EVU-Workflow

Was ist der Unterschied zwischen Churn-Management und Winback-Workflow?

Churn-Management ist die strategische Analyse von Abwanderungsrisiken, während der Winback-Workflow operative Maßnahmen beschreibt: automatisierte Strecken, Trigger, Segmentierung, Angebote, Nachweisführung und Abschluss, die Kunden gezielt und messbar zurückgewinnen.

Wie verhindert man Ticket-Chaos bei Sonderfällen?

Ticket-Chaos entsteht, wenn Sonderfälle manuell und unkoordiniert bearbeitet werden. Klare Eskalationslogik mit Rollen, Fristen, Statusmodellen und regelbasiertem Routing stellt sicher, dass Sonderfälle effizient abgearbeitet und KPIs wie Time-to-Reactivation zuverlässig erfasst werden.

Wie unterscheide ich Standardfälle von Sonderfällen?

Standardfälle sind wiederkehrende, klar definierte Kundenreaktionen, die automatisiert ablaufen. Sonderfälle erfordern Abweichungen vom Standard, z. B. Rückfragen oder unklare Kontaktfähigkeit, und werden regelbasiert an Rollen eskaliert, wobei Fristen, Statusmodelle und KPIs die Bearbeitung steuern.

Kann KI den Rückgewinnungsprozess unterstützen?

KI kann Kundenabwanderung prognostizieren, Segmentierung optimieren, Entscheidungslogik unterstützen und Textpersonalisation in Value-first Kontaktstrecken automatisieren. So werden Standardfälle effizient abgearbeitet und Sonderfälle datenbasiert priorisiert, was Time-to-Reactivation und Return-Rate verbessert.

Wie skaliere ich erfolgreiche Pilotstrecken?

Nach 8-12 Wochen Pilotsegment-Analyse werden funktionierende Workflows auf weitere Segmente übertragen. Monitoring über KPIs wie Return-Rate, Cost-per-Winback und Touchpoints je Fall ermöglicht iterative Optimierung, bevor die Strecken weiter ausgerollt werden.

Mini-Glossar (EVU-Winback)

Medienbruch = der Kunde muss die Strecke verlassen (Wechsel zum Portal, zur Hotline): dadurch brechen viele Kunden den Winback ab.

Winback-Workflow = ein End-to-End Prozess, der Kündigungen als Trigger erkennt, Kunden segmentiert, Kontaktstrecken ausspielt und den Abschluss inkl. Nachweisführung operativ ausführt. Fachbereich / Kundenservice: verantwortet Segmentlogik und Sonderfälle.

Value-first Kontaktstrecke = eine Abfolge von Angeboten, die zuerst Mehrwert liefert und erst danach Preis- / Incentive-Elemente, um Akzeptanz ohne Rabatt-Spirale zu erhöhen. Kundenservice: übernimmt Rückfragen als definierte Sonderfälle.

Audit-Trail = ein revisionssicheres Protokoll, das alle Workflow-Schritte (Trigger, Kontakt, Entscheidung, Änderungen) mit Zeitstempel und Kontext nachvollziehbar speichert.

One-Flow-Abschluss = ein Abschluss ohne Medienbruch, bei dem Entscheidung und Bestätigung im selben Self-Service-Link erfolgen, statt über Portal, Hotline, Papier.

Time-to-Reactivation = die Zeit vom Kündigungseingang bis zur bestätigten Rückkehr (Annahme, Vertragsfortführung), gemessen als Median und P90 pro Segment.
Controlling: nutzt Median / P90 für Steuerung und Eskalationsbedarf.

Quelle: https://www.bundesnetzagentur.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2025/20250714_MB2025.html