Vorab: Smart Meter sind beste Lösung und Wunschziel: automatische Fernauslesung statt Kundenmeldung. In der Fläche sind sie aber noch die Ausnahme (Rollout liegt derzeit bei 3,8 %).

Zählerstände zu erfassen ist in der Praxis vor allem ein Skalierungs- und Kanalproblem: Anfang des Jahres treffen Meldungen über Postkarten, Hotline, E-Mail-Postfächer, Fotos und Portale ein: mit uneinheitlicher Datenqualität und entsprechendem Prüf- und Klärbedarf.

Besonders typisch ist derzeit noch das Kundenportal oder eine App: Kunden müssen sich registrieren, Zugangsdaten suchen oder neu anfordern und beim Fall „Login geht nicht“ landet der Vorgang doch wieder bei Hotline oder E-Mail.

Und die manuelle Selbstablesung? Nicht nur zeitaufwendig, sondern auch fehleranfällig. Häufige Ursachen sind Zahlendreher beim Ablesen, verrutschte Kommastellen oder die Verwechslung von Zählern - insbesondere in Mehrfamilienhäusern. Zusätzlich lassen sich handschriftlich übermittelte Zählerstände systemseitig nicht immer eindeutig verarbeiten.

Aus Kundensicht ist das „nervig“. Aus Sicht des Energieversorgungsunternehmens (EVU) ist das ein messbar negativer Treiber, was zu Rückfragen, Korrekturen und zusätzlichem Aufwand in Abrechnung und Kundenservice führt.

Jeder Kanal bringt eigene Fehlerbilder und Klärprozesse. Der Engpass ist nicht der einzelne Zählerstand, sondern die Kanalvielfalt.

Hier entsteht der echte Pain: hohes Volumen trifft auf uneinheitliche Datenqualität. Und das führt zu Verzögerungen, Schätzabrechnungen, Beschwerden und unnötigen Prozesskosten in Kundenservice, Abrechnung und Netzservice.

Digitale Zählerstandserfassung löst dieses Problem nicht durch „noch einen Kanal“, sondern durch ein Prinzip: Single Touchpoint statt Kanal-Wildwuchs.

In der Praxis startet der Energieversorger die Ablesung als Versandlauf: die Zielgruppe wird selektiert, der Kanal je Segment festgelegt (z. B. E-Mail / SMS, sonst QR / Brief), und Nicht-Responder werden nach definierten Regeln automatisiert erinnert.

Ein personalisierter Self-Service führt Kunden in ein geführtes Formular, prüft Eingaben in Echtzeit und übergibt nur valide, strukturierte Daten direkt an die Systeme. Alte Medien können weiterhin genutzt werden (z. B. Postkarte), enden aber konsequent im gleichen digitalen Prozess.

Das erwartet Sie in diesem Artikel:

Warum Smart Meter das Problem heute noch nicht lösen

Smart Meter sind das Zielbild für reibungslose Fernauslesung. In der operativen Realität vieler Energieversorgungsunternehmen (EVUs) ersetzen sie jedoch noch nicht flächendeckend* die Prozesse rund um kundeninitiierte Meldungen, Übergänge und Ausnahmen.

  • Rollout ist ein Langläufer: Selbst bei klarer Smart-Meter-Strategie bleibt über Jahre eine Parallelwelt aus Bestandszählern, Übergangsszenarien und Sonderfällen bestehen.
  • Fernauslesung braucht Betriebssicherheit: Für Standardablesungen entfällt die Kundentätigkeit nur, wenn die Auslesung technisch verfügbar, aktiv und stabil ist. Für Ausfälle und Lücken bleibt ein belastbarer Fallback interessant.
  • Ausnahmen verschwinden nicht: Smart Meter ersetzen nicht automatisch die Abläufe für Korrekturen, Reklamationen, Zählerwechsel, Umzüge / Übergaben sowie Plausibilisierung bei auffälligen Verbräuchen.

Digitale Zählerstandserfassung ist deshalb kein Gegenspieler, sondern die operative Brücke: Sie standardisiert die Meldestrecke, validiert Eingaben am Ursprung und routet Ausnahmen gezielt: unabhängig davon, ob der Zählerstand aus Kundeneingabe oder (zukünftig) aus Fernauslesung stammt.

*3,8 % über alle Messlokationen (Stichtag 30.09.2025)

Smart Meter sind also das Ziel, operative Prozesse müssen aber heute für die Fläche funktionieren. Genau deshalb braucht es eine digitale Meldestrecke, die für Kunden maximal einfach ist und im Hintergrund trotzdem Validierung, Routing und Nachweis sauber abbildet.

Fotoaufnahme zur Zählerstandserfassung: Knopf drücken - fertig!

Der Ideal-Weg aus Kundensicht ist banal: Foto machen, senden. Der Kunde öffnet den personalisierten Self-Service-Link, tippt auf „Foto aufnehmen“ und schickt das Bild ab.

Moderne Plattformen für digitale Zählerstandserfassung (wie z. B. Paperfly) lesen den Zählerstand KI-gestützt aus, auch bei unterschiedlichen Zählertypen und wechselnden Lichtverhältnissen, prüfen den erkannten Wert sofort gegen Plausibilitätsregeln und übergeben Standardfälle automatisiert. Der erkannte Wert wird dem Kunden dann zur Bestätigung angezeigt.

Foto-first-Flow: vom Bild zur validen Meldung

  • Self-Service-Link öffnen: Personalisierter Self-Service im Browser, keine App, keine Registrierung.
  • Foto aufnehmen: Kunde fotografiert den Zählerstand direkt im Flow („Knopf drücken“).
  • KI-Auslesung: Paperfly extrahiert den Wert aus dem Bild: robust gegenüber Zählertypen und Lichtbedingungen.
  • Echtzeit-Validierung: Plausibilitätschecks (Wertebereich, Verbrauchsdifferenz, Zählerkontext / Vorjahreswerte).
  • Auto-Weiterverarbeitung: Valide Fälle laufen direkt in die Weiterverarbeitung (Dunkelverarbeitung).
  • Fallback bei Unsicherheit: Ist die Bild-Erkennung nicht ausreichend, wird die Eingabe des Kunden verpflichtend.

Wie funktioniert digitale Zählerstandserfassung ohne Medienbrüche?

Digitale Zählerstandserfassung ohne Medienbrüche bedeutet: ein einheitlicher Self-Service, der jede Meldung in denselben Workflow führt: egal ob Foto oder Eingabe.

Der Kunde öffnet einen personalisierten Link, der Prozess prüft Daten in Echtzeit, routet Ausnahmen gezielt und übergibt nur valide, strukturierte Informationen an Abrechnung und Netzservice. Medienbrüche entfallen, Fehler werden am Ursprung korrigiert, Rückfragen und Schätzabrechnungen sinken, auch bei hohen Volumina.

Entscheidend ist die geschlossene Prozesskette: vom Kunden bis in das Abrechnungssystem, unabhängig davon, welche Prüf- oder Routing-Schritte dazwischen liegen. Das verhindert, dass Daten erst „in der Fläche“ entstehen und später im Backoffice „repariert“ werden müssen.

Alle Kunden per Knopfdruck erreichen

Damit die Lösung in der Fläche funktioniert, muss das Energieversorgungsunternehmen (EVU) die Zielgruppe in einem Versandlauf erreichen können. Der Kanal ist dabei nur das Transportmittel, der weitere Ablauf für den Kunden jedoch immer derselbe: ein personalisierter Self-Service-Link, ein Workflow.

So wird die Jahresablesung steuerbar:

  • Ausspielung nach Segment: E-Mail und SMS dort, wo belastbare Kontaktdaten vorliegen
  • Brief/QR als Reichweiten-Fallback: wenn keine digitalen Kommunikationsdaten vorhanden sind
  • Reminder-Logik für Nicht-Responder: definierte Erinnerungen statt „läuft ins Leere“
  • Stop- / Fallback-Regeln: unzustellbar oder keine Reaktion → automatischer Wechsel in den nächsten Pfad statt Wiederholung im selben Kanal.

Wichtig ist: Egal über welchen Zustellweg gestartet wird, alle Kunden erhalten ihren personalisierten Einstieg automatisiert als personalisierten Self-Service-Link, und alle Meldungen laufen in den gleichen Workflow mit identischer Validierung, identischem Routing und identischer Protokollierung.

Intelligente Erfassung: ohne App, ohne Login-Hürde

  • Foto-first: Zählerstand per Foto erfassen; KI-gestützte Auslesung mit sofortiger Plausibilitätsprüfung (nur bei Unsicherheit wird die Eingabe verpflichtend)
  • Der Link kann auf Sparte, Vertragskonto, Ablesefrist, Zählertyp parametrisiert werden: Kunden sehen nur, was sie wirklich melden sollen.
  • Pflichtfelder, Formatchecks und Plausibilitätslogik verhindern unvollständige oder offensichtlich falsche Eingaben.

Mehrere Wege, ein Prozess
Der Energieversorger spielt den personalisierten Link je Kundensegment über den passenden Kanal aus (z. B. E-Mail, SMS, WhatsApp, QR/Brief oder Portal-/App-Entry): typischerweise automatisiert per Massenversand und Reminder-Logik. Für das EVU macht das keinen Unterschied: Jede Meldung landet im gleichen digitalen Workflow, wird identisch validiert und identisch ins Backoffice bzw. ins Abrechnungssystem übergeben.

Ausgangslage im EVU: Warum heutige Kanäle ineffizient sind

Viele EVUs betreiben Zählerstandsmeldungen über mehrere parallele Wege: Postkarte, Hotline, E-Mail, Foto, Portal. Das sorgt für Kosten in der Verarbeitung: Jeder Kanal erzeugt eine andere Datenqualität, andere Nacharbeit und andere Fehlerquellen.

Typische Folgen im EVU-Alltag

  • Rückfragen und Klärfälle steigen, weil Angaben fehlen, unlesbar sind oder nicht zur Zählerstelle passen.
  • Abrechnung verzögert sich, weil unplausible Werte erst nachträglich auffallen.
  • Schätzabrechnungen nehmen zu mit Folgeaufwand durch Reklamationen.
  • Netzservice wird mit Sonderfällen belastet, die eigentlich früher im Prozess hätten abgefangen werden können.
  • Nachvollziehbarkeit leidet, wenn Eingänge über individuelle Postfächer/Hotline-Notizen laufen.
Das Problem ist nicht „digital oder analog“. Das Problem ist fragmentiert.

Was digitale Zählerstandserfassung leisten muss (und heute oft nicht leistet)

Eine zukunftsfähige Lösung muss die Wertschöpfungskette Ende-zu-Ende abdecken: Erfassung, Validierung, Routing, Übergabe, Protokoll. Viele heutige Ansätze scheitern an einem dieser Punkte, meist an Echtzeit-Validierung oder durchgängiger Integration.

Gleichzeitig sollte die Lösung spartenübergreifend (Strom, Gas, Wasser, Wärme) skalierbar sein und Schnittstellen für Abrechnung, Marktkommunikation und Netzservice bereitstellen.

Digitale Soll-Funktionen und typische Praxisprobleme

Funktion Soll-Zustand Typische heutige Lücke Nutzen
Einheitliche Datenerfassung Strukturierte Eingabe für alle Sparten Kanal- / Portal-Silos, E-Mail, Fotos Fehler & Nacharbeit ↓
Echtzeit-Validierung Plausibilitätschecks vor Übergabe Prüfung erst im Backoffice Rückfragen ↓, Schätzungen ↓
Automatisches Routing Standardfälle → Abrechnung, Ausnahmen → Klärfall Manuelles Sortieren / Weiterleiten Prozesskosten ↓, Durchlaufzeit ↓
Audit & Protokoll Revisionssicher inkl. Metadaten Lücken bei E-Mail / Hotline Streitfälle ↓, Compliance ↑
Skalierbarkeit Gleicher Workflow für Strom / Gas / Wasser / Wärme Insellösungen je Sparte Standardisierung ↑
Schnittstellen Abrechnung, Marktprozesse, Netzservice Medienbrüche, keine saubere Übergabe Datenqualität ↑

Prozesskette im EVU: So wird aus einer Meldung ein automatisierter Workflow

  1. Kundenzugang in einem Flow
    Kunden öffnen den personalisierten Self-Service-Link direkt im Browser. Keine App, kein Download, kein „Login geht nicht“-Problem. Das Formular ist geführt, vollständig und auf den Fall parametrisiert.
  2. Echtzeit-Validierung am Ursprung
    Zählernummern-Abgleich, Wertebereiche, Verbrauchsdifferenzen und Pflichtfelder werden sofort geprüft. Unplausibles wird nicht ins Backoffice „durchgereicht“, sondern direkt korrigiert oder als Ausnahme markiert.
  3. Routing statt Weiterleiten
  • Valide Meldungen fließen direkt in Abrechnung / Weiterverarbeitung.
  • Auffällige Fälle landen automatisiert in einer Prüffall-Queue (z. B. Netzservice / Abrechnung), mit klarer Zuständigkeit und vollständigem Kontext.

Der Effekt: Das Backoffice bearbeitet nicht mehr „alles“, sondern nur noch Ausnahmen.

Paperfly: Single Touchpoint statt Kanal-Wildwuchs

Paperfly löst das Kernproblem fragmentierter Zählerstandserfassung, indem alle Wege (Postkarte/QR, Portal-Link, E-Mail, SMS / WhatsApp) in einen zentralen, validierten Workflow zusammengeführt werden. Alte Medien bleiben nutzbar, aber sie enden immer im selben System, mit identischer Logik und identischem Audit-Trail.

Was Energieversorger damit operativ gewinnen

  • Einheitlicher Touchpoint für Zählerstände, statt paralleler Kanalpflege
  • Validierung vor Systemeingang statt Nacharbeit im Backoffice
  • Routing & Prüffall-Queue statt manuellem Weiterleiten
  • Dunkelverarbeitung für Standardfälle: manuelle Arbeit nur bei Ausnahmen
Das bedeutet: Postkarte bleibt möglich, aber mit QR-Code. Portal bleibt möglich, aber als Link in denselben Workflow. E-Mail / SMS / WhatsApp bleiben möglich, aber immer mit identischer Logik im Hintergrund.

Kernfunktionen (kompakt vorgestellt)

  • Massenversand: personalisierte Self-Service-Links kanalübergreifend ausspielen (E-Mail, SMS, WhatsApp, gedruckter QR-Code, Portal/App)
  • Foto-first: Zählerstand per Foto erfassen; KI-gestützte Auslesung mit Pflicht-Eingabe als Fallback bei Unsicherheit
  • Echtzeit-Validierung: Plausibilitäts- und Vollständigkeitsprüfung vor Systemübergabe
  • Systemgestütztes Routing: Standardfälle automatisiert, Ausnahmen als Prüffall-Queue

Kernvorteil: Automatische Validierung reduziert Fehler, Rückfragen und Schätzabrechnungen

Der größte Hebel liegt in einem einfachen Prinzip: Fehler nicht bearbeiten: Fehler verhindern. Wenn Wertebereich, Zählernummer und Verbrauchsdifferenz bereits bei der Eingabe geprüft werden, sinkt der nachgelagerte Aufwand drastisch.

Wertebereichsprüfungen, Abgleich der Zählernummern und Verbrauchsdifferenzen werden in Echtzeit überprüft, bevor die Daten in das Abrechnungssystem gelangen. Dadurch sinkt die Fehlerquote deutlich, Rückfragen beim Kundenservice werden reduziert, und die Abrechnung kann schneller und korrekter durchgeführt werden.

Funktionsweise der Validierung

  • Wertebereichsprüfungen: Identifikation von Extremwerten und unplausiblen Verbrauchsdaten
  • Verbrauchsdifferenzen: Vergleich mit historischen Daten und Durchschnittswerten
  • Zählernummern-Abgleich: Verifikation gegen Stammdaten und Vertragsinformationen
  • Automatisches Routing: Nur unplausible Meldungen werden zum Prüffall.
  • Reduzierte Schätzabrechnungen: Weniger manuelle Korrekturen und Beschwerden

Der Business Case der digitalen Zählerstandserfassung

Die digitale Zählerstandserfassung liefert Energieversorgungsunternehmen (EVUs) messbare Effizienz- und ROI-Vorteile (Return on Investment). Klassische, manuelle Prozesse verursachen hohe Rückfragen, fehlerhafte Eingaben, Schätzabrechnungen und verlängerte Bearbeitungszeiten. Digitale, validierte Workflows reduzieren diese Risiken drastisch.

Wo die Kosten im EVU wirklich entstehen (und warum Single Touchpoint sie senkt)

  • Kundenservice: weniger Hotline-Kontakte, weniger „Login geht nicht“, weniger Rückfragen zu fehlenden Angaben
  • Abrechnung: weniger manuelle Prüfung, weniger Korrekturen, weniger Schätzabrechnungen und Folge-Reklamationen
  • Netzservice: weniger falsch zugeordnete Sonderfälle, bessere Datenqualität für strittige Fälle

Der ROI entsteht nicht durch eine einzelne Einsparung, sondern durch die Eliminierung redundanter Schritte entlang der gesamten Kette.

Messbare Effekte der digitalen Zählerstandserfassung

KPI Vorher (manuell) Nachher (digital) Wirkung
Rückfragenquote 12–25 % <5 % Serviceaufwand ↓, Kundenzufriedenheit ↑
Fehlerhafte Eingaben 25–35 % 5–10 % Abrechnungsqualität ↑
Bearbeitungszeit 2–5 Tage Minuten Durchlaufzeit ↓, Prozesseffizienz ↑
Prozesskosten pro Vorgang Mittel bis hoch Niedrig Kostenersparnis ↑
Schätzabrechnungen Hoch Signifikant ↓ Beschwerden ↓
Self-Service-Quote 20 % >40 % Kunden entlastet Backoffice

Messrahmen: Zeitraum: 6-12 Monate · Population: alle zählerstandsrelevanten Vorgänge · Methode: Vorher/Nachher manuell vs. digital (OPEX) · Quellen: ERP, Workflow, Tickets · KPIs: Prozesskosten, Dunkelverarbeitung, Self-Service, Durchlaufzeit (Median/P90), Δ Schätzkosten · Reporting: ROI + Savings je 10.000 Vorgänge.

Wo digitale Zählerstandserfassung den größten Hebel hat

Geeignet für:
• EVUs mit hohen Volumina in Jahres-, Zwischen- und Turnusablesungen
• zentrale Kundenservice- und Abrechnungsteams mit wiederkehrenden Prüffällen
• Versorger mit angebundenen Abrechnungssystemen und definierten MaBiS-Prozessen (Marktregeln für die Durchführung der Bilanzkreisabrechnung im Strommarkt)

Nur bedingt geeignet:
• Rein manuell geführte Abrechnungen; ohne Schnittstellen zu Abrechnungssystem / Marktkommunikationsprozessen
• Szenarien, in denen überwiegend keine digitalen Kontaktkanäle nutzbar sind (dann QR / Postkarte als Brücke nutzen)

Compliance & Risiko: Warum EVUs Audit-Trails helfen

Digitale Erfassung ist nicht nur effizient, sondern streitfallfest. Ein Audit-Trail dokumentiert Eingabe, Validierung, Routing und Übergabe, inklusive Zeitstempeln und Kontextdaten. Das hilft bei Reklamationen („Ich habe den Stand gemeldet“), bei unplausiblen Verbräuchen und bei interner Nachvollziehbarkeit.

Der entscheidende Punkt: Wenn Eingänge nicht über individuelle Postfächer / Hotline-Notizen laufen, reduziert sich die Manipulierbarkeit und die Beweisführung wird einfacher. Dadurch lassen sich Reklamationen nachvollziehen, Marktkommunikation transparent gestalten und Streitfälle frühzeitig vermeiden.

Insbesondere in stark regulierten Branchen sind Revisionsanforderungen strikt einzuhalten. Ein lückenloser Audit-Trail dient dabei als Beleg für korrekte Prozesse und minimiert manipulierbare Kanäle wie E-Mails oder Portale.

Mini-Use-Case: Jahresablesung ohne Medienbrüche

Früher kam die Jahresablesung als Kanalmix rein: Ablesekarte, Portal mit Login-Problemen, E-Mail-Fotos: Tippfehler, unlesbare Bilder und Rückfragen im Backoffice. Dieses Jahr startet das EVU die Jahresablesung als steuerbaren Versandlauf.

Im System wird die Zielgruppe selektiert, der Versandkanal gesetzt (E-Mail, SMS) und für Kunden ohne digitale Kontaktwege der Brief-Fallback mit QR-Code aktiviert: immer mit einem personalisierten, für den Kunden generierten Self-Service-Link.

Paperfly, als moderne Web-Applikation, startet nach dem Klick direkt im Browser (keine Installation erforderlich) und führt den Nutzer in einem Flow durch die Meldung. Der Kunde fotografiert den Zähler; wird Zählertyp und Anzeige sicher erkannt, liest das System den Wert aus, prüft ihn sofort gegen Plausibilitätsregeln und zeigt ihn zur Bestätigung an.

Reicht die Erkennung nicht aus (z. B. ungünstige Lichtverhältnisse), greift ein Fallback: Der Workflow erzwingt die manuelle Eingabe, inklusive automatischer Validierung.

Innerhalb von Minuten ist jeder Zählerstand verarbeitet. So wird aus einer simplen Jahresablesung ein nahtloser, effizienter Prozess, der Kundenzufriedenheit, Compliance und interne Effizienz steigert.

Medienbruch vs. digitale Jahresablesung

Prozessaspekt Traditionell Digital (Single Touchpoint) Bewertung
Kundenzugang Postkarte / Portal / Hotline Link / QR ohne Login weniger Abbrüche
Fehlerquote hoch niedrig (Validierung) Rückfragen ↓
Durchlaufzeit Tage Minuten / Stunden Effizienz ↑
Nachvollziehbarkeit lückenhaft Audit-Trail Streitfälle ↓

Häufige Fehler und wie EVUs sie vermeiden

Viele EVUs kämpfen bei der Zählerstandserfassung mit wiederkehrenden Fehlerquellen, die manuell, zeitaufwendig und fehleranfällig sind. Fotos mit Spiegelungen oder Schatten, E-Mail-Eingänge über individuelle Postfächer, manuelle Übertragung, fehlende Zählernummern-Abgleiche und Plausibilitätsprüfungen führen zu Rückfragen, Verzögerungen und Schätzabrechnungen.

Moderne digitale Lösungen schließen diese Lücken, indem sie Echtzeit-Validierung, standardisierte Eingabeformulare und automatisches Routing nutzen. Dadurch sinken Fehlerquoten deutlich, die Bearbeitung beschleunigt sich, und Compliance wird sichergestellt.

Typische Failure-Patterns & digitale Gegenmaßnahmen

  • „Login geht nicht“ / Zugangsdaten fehlen → Link/QR ohne Konto
  • Fotos mit Spiegelungen/Schatten → KI-gestützte Extraktion aus klar strukturierten Formaten
  • E-Mail-Eingang über individuelle Postfächer → Zentralisierter, digitaler Workflow
  • Manuelle Übertragung → Automatischer Datenfluss ins Abrechnungssystem
  • Fehlende Zählernummer-Abgleiche → Validierung gegen Stammdaten
  • Keine Plausibilitätsprüfungen → Echtzeit-Checks von Wertebereich und Verbrauchsdifferenz
  • Mehrfache Einreichungen → Duplikat-Erkennung und priorisierte Verarbeitung

Fazit und Zukunftsausblick: Digitale Zählerstandserfassung

Der größte Fortschritt ist nicht „digital statt analog“, sondern ein Prozess statt paralleler Wege. Single Touchpoint plus Echtzeit-Validierung reduziert Rückfragen, senkt Fehler, verringert Schätzabrechnungen und beschleunigt die Abrechnung, bei gleichzeitig besserer Nachvollziehbarkeit.

Nächster Schritt: Wenn Sie sehen möchten, wie Jahres-, Zwischen- und Turnusablesungen in Ihrem EVU als einheitlicher, validierter Workflow abgebildet werden können (inkl. QR / Postkarte, Portal-Link, SMS, E-Mail: aber ein System), lässt sich das anhand weniger Fälle pilotieren und nach 2-3 Monaten belastbar bewerten.

Mit Blick in die Zukunft wird die digitale Erfassung zunehmend KI-gestützt: Automatische Fotoauswertung, Prognosen für Verbrauchsdifferenzen und intelligente Workflows, die Standardfälle vollständig automatisieren, werden die Prozesskosten weiter senken und die Kundenzufriedenheit steigern.

Der entscheidende Hebel liegt nicht in der Digitalisierung einzelner Kanäle, sondern in deren konsequenter Zusammenführung zu einem belastbaren Prozess.

Häufige Praxisfragen (FAQ) aus dem EVU-Alltag

Wie funktioniert digitale Zählerstandserfassung ohne Login?
Über einen personalisierten Link (E-Mail, SMS, WhatsApp, QR auf Postkarte oder Portal-Link). Das Formular öffnet sich direkt im Browser: ganz ohne Registrierung. Pflichtfelder und Validierungslogik sichern vollständige, strukturierte Eingaben.

Was passiert bei unplausiblen Werten?
Das System erkennt Unplausibles sofort. Kunden erhalten direkt einen Hinweis zur Korrektur. Wenn weiterhin auffällig, wird der Fall automatisch in eine Prüffall-Queue geroutet, valide Fälle gehen ohne Umweg in die Abrechnung.

Kann ein Foto reichen?
Bei Paperfly kommen Foto-Auslesung und Prozesslogik zusammen. In einem Foto-first-Flow wird der Zählerstand aus dem Bild ausgelesen und sofort plausibilisiert (z. B. Wertebereich, Verbrauchsdifferenz, Zählerkontext). Reicht die Bildqualität oder Erkennung nicht aus, erzwingt der Workflow eine verpflichtende Eingabe bzw. routet den Fall als Prüffall. So ist Foto der schnellste Einstieg, ohne dass die Datenqualität leidet.

Wie schnell fließen Daten in die Abrechnung ein?
Bei validen Eingaben in der Regel sofort, abhängig von Integrations- und Freigabeschritten. Ausnahmen landen als Prüffall zur Vorlage, ohne die Standardfälle aufzuhalten.

Mini-Glossar: zentrale Begriffe kurz erklärt

MaBiS = Marktregeln für die Durchführung der Bilanzkreisabrechnung im Strommarkt

Digitale Zählerstandserfassung: Strukturierte, browserbasierte Erfassung mit Echtzeit-Validierung und direkter Übergabe in Folgeprozesse.

Dunkelverarbeitung: Vollautomatische Bearbeitung von Standardfällen ohne manuelle Eingriffe.

Klärfall- oder Prüffall-Queue: Warteschlange für Ausnahmen, die bewusst an Fachteams geroutet werden.

Audit-Trail: Lückenloses Protokoll aller Prozessschritte inkl. Zeitstempeln und Metadaten.

EVU: Energieversorgungsunternehmen (z. B. Stadtwerke, Regionalversorger).

Quellen:

GPKE (BNetzA): https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Fachthemen/ElektrizitaetundGas/Unternehmen_Institutionen/MarktregelnundMonitoring/GPKE/start.html

MaBiS (BNetzA):
https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Fachthemen/ElektrizitaetundGas/Unternehmen_Institutionen/MarktregelnundMonitoring/MaBiS/start.html

Bundesnetzagentur: https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Fachthemen/ElektrizitaetundGas/NetzzugangMesswesen/Mess-undZaehlwesen/iMSys/artikel.html